Taubenschießen
Nachmittag ist es, lau und linde,
Kein Sonnenschein, kein Hauch im Winde.
Des Himmels Blau ist nicht recht klar,
Wie Seide glänzt es auf ein Haar.
Die weiche Luft, die schwere, satte,
Ist wie ein dichter Bausch von Watte.
Behagen, Frieden ringsherum
Und Schweigen, alles still und stumm.
Ein kurzes Rollen nur, ein matter
Halblauter Ton, Gewehrgeknatter.
Ein Taubenschießen. Drüben stehn
Die Schützen, deutlich kann man sehn,
Wie von dem Hintergrund die Gruppen
Sich lösen gleich bewegten Puppen.
Sie treten nach der Reihe an,
Korrekt und aufrecht jedermann.
Von Zeit zu Zeit auf grünen Matten
Ein flüchtiger bewegter Schatten.
Der Vogel flattert auf erschreckt,
Schon ist er von dem Blei gestreckt.
Ein scharfes, abgehacktes Knallen,
Zu Boden sieht man etwas fallen.
Der Hund springt zu, er packt es fest,
Er gibt dem armen Tier den Rest.
So geht es weiter ohne Gnade,
Kein Ende nimmt die Füsillade.
Durch blaue Lüfte zuckt der Blitz,
Ein Messerstich, kurz, scharf und spitz.
Gemetzel, sinnlos, feig, empörend,
Des Tages heiligen Frieden störend.
In dieses Himmels reiner Luft
Der Mensch allein ein Schelm, ein Schuft,
Der Hekatomben, weil’s ihn lüstet,
Zum Opfer bringt und sich noch brüstet,
Der rings des Todes Saaten sät,
Damit die Stunde schnell vergeht.