9. Tarsius spectrum (Pall.)

Borneo-Exemplare zeigen vorwiegend braune Töne wie die von den Philippinen, allein sie haben behaarte Tarsen und einen spärlich behaarten Schwanz mit heller Quaste, wie T. spectrum von anderen Inseln. Immerhin wäre es möglich, dass auch die Borneo Form als locale abgetrennt werden könnte. Schon Temminck (Coup-d’oeil III, 112 1849) sagt: „La même espèce se trouve aussi dans les parties méridionales de Bornéo; toutefois elle paraît former une variété locale propre à cette île. Le Tarsius spectrum de Célèbes a le bout ou flocon terminal de la queue noir, celui de Bornéo a cette partie d’un cendré-fauve.“ T. fuscus von Celebes unterscheidet sich allerdings bedeutend von spectrum, wie wir besonders durch Weber (Zool. Ergebn. III, 262 1893) wissen, ob aber die Borneo Exemplare von denen der übrigen Inseln, wo Tarsius vorkommt, hinlänglich und so constant differiren, um einen besonderen Namen zu verdienen, kann ich wegen zu geringen Materiales von den anderen Inseln nicht entscheiden. Das Museum besitzt 5 von Borneo: vier vom Südosten und eins vom Westen. Auch die 3 von Borneo im Berliner Museum zeichnen sich durch viel Braun aus, es ist darunter eins vom Nordosten; Hose führt welche (Mamm. Borneo, Diss. 1893, 17, inl. Name ingkat) vom Nordwesten, Wolff (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 16, 44 1858/9) welche von der Ostküste auf, Tarsius ist also über ganz Borneo verbreitet. Auch auf der [[10]]Insel Karimata, westlich von Borneo, kommt er vor (Teijsmann l. c. 36, 246 1876, inl. Name kebuku) und auf Sirhassen, einer der Natuna Inseln (Thomas & Hartert Nov. Zool. I, 655 1894). Weber (l. c. III, 263 1893) meinte, dass es nicht ganz sicher gewesen wäre, ob T. spectrum auch auf Sumatra lebe oder nicht, allein es lagen schon früher Exemplare aus dem Lampongschen (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 16, 87 1858/9 und 27, 383, 1864, inl. Name krabuku) in Batavia vor. (S. noch mehrere inländische Bezeichnungen für Tarsius bei Hubrecht l. c. 54, 39 1895.) Von Biliton hat Jentink (Notes Leyden Mus. XII, 149 1890) die Art registrirt.

Ich hoffe auch von T. spectrum später eine Abbildung geben zu können, da die vorhandenen den jetzigen Anforderungen nicht mehr entsprechen. (Vgl. Audebert: Maki p. 29 Pl. I, an 8, col.; Horsfield: Zool. Res. 1824 pl. 4, col. und Taf. zu Nr. 2, Figur G Zähne; Burmeister: Tarsius 1846 T. 1, col.; G. Cuvier: Règne animal Mamm. 1849 pl. 22, 1, col., 1 a–c Zähne; Gervais: Mamm. 1854, 162, Skelet s. zu p. 178; Brehm: Thierl. I, 307 3. Aufl. 1890, mit nackten Tarsen! — seitens Lydekker: Nat. Hist. I, 236 1893/4 copirt; Forbes: Prim. I pl. II 1894, col.)

[[Inhalt]]

10. Paradoxurus musschenbroeki Schl.

[Tafel V] und [VI]

1878 (?) Schlegel Prospectus von „Annals of the R. Zool. Mus. of the Netherlands at Leyden“ (mit Schädel-Tafel)
1879 Schlegel Notes Leyden Mus. I, 43
1883 Jentink Notes Leyden Mus. V, 178
1885 Blanford P. Z. S. 790, 806
1887 Jentink Cat. (ost.) IX, 94 Pl. 1 u. 2 (Schädel)
1890 Weber Zool. Erg. I, 110
1894 Weber Zool. Erg. III, 469 fg.

Dieses grösste Raubthier von Celebes[1] blieb merkwürdig lange unbekannt, es ist allen früheren Reisenden entgangen, oder wenn sie davon gehört hatten, wie z. B. v. Rosenberg (Mal. Arch. 1878, 268) und ich, so war es ihnen nicht gelungen, es zu erbeuten. Laut Tagebuchnotiz hörte ich am 20. Juni 1871 in Belang in der Minahassa, dass ein „andjing utan“ (Waldhund) seit einiger Zeit in der Nähe sei und Hühner weghole. Ich hatte schon früher einen Preis auf das Thier, von dem Mancher in der Minahassa sprach, gesetzt, aber erfolglos. Erst van Musschenbroek verschaffte, als er 1875 Resident von Manado war, 5 Exemplare von Kinilo und Tanawangko, und 1883 kamen durch v. Faber noch 7 nach Leiden, die von denselben Localitäten herrührten.[2] Das Dresdener Museum erhielt seit Anfang 1894 6 Bälge mit den Skeletten (2 m. u. 1 f. ad., 1 m. u. 1 f. jun., 1 f. juv.), beim Dorfe Kali in der Nähe von Kakaskassen Februar, Mai und October in Fallen gefangen, mit den Bezeichnungen andjing utan (mal.) und lonkoi. Auch P. und F. Sarasin bekamen mehrere, wie sie mir unter dem 4. August 1894 mittheilten, und zwar aus den Wäldern, die die verschiedenen Kraterberge in der Nähe von Rurukan bedecken. „Sie nähren sich, wie uns die Untersuchung des Magens lehrte, sowohl von Waldratten, als auch von den reifen Früchten der Papaya.“ Das Thier ist daher keineswegs selten, wie man, da es so lange unentdeckt geblieben ist, versucht sein könnte zu vermuthen. Der Grund hiervon lag vielmehr darin, dass die Eingebornen den Fang nicht übten, bis sie genügend dazu angespornt wurden, und dass die Naturforscher früher die Art und Weise des Fanges nicht kannten, sowie darin, dass das Thier überhaupt verborgen lebt und wohl nur Nachts auf Raub ausgeht. Die bis jetzt bekannten Fundorte: Kinilo, Rurukan und Kali liegen dicht bei einander, nicht fern von Manado; Tanawangko etwas mehr westlich; allein die Art hat gewiss eine viel weitere Verbreitung. Die Rosenbergschen Angaben (s. bei Jentink Notes Leyden Mus. V, 179 1883) beziehen sich auf das Gorontalosche, es ist jedoch noch fraglich, ob es sich dort, wie auch bei meiner [[11]]Notiz von Belang, um P. musschenbroeki handelt. Ob die Art auch in Central, Nordost und Süd Celebes[3] vorkommt, bleibt festzustellen.

Ein altes Männchen und ein junges Weibchen sind auf [Tafel V] in ⅕–⅙ n. Gr. abgebildet.

Blanford, der vorzügliche Kenner der Paradoxuri, sagt (P. Z. S. 1885, 790): „P. musschenbroeki differs greatly from all other species in its annulated tail. The skull is intermediate in form between the last mentioned little group (Paguma) and typical Paradoxuri, but rather nearer to the former. The shape of the palate is peculiar“. Und (p. 806): „The most remarkable peculiarity of the skull and dentition is that the rows of upper premolars and molars, instead of diverging greatly behind, as in all other Paradoxuri, are nearly parallel[4], the hinder part of the palate being proportionately much narrower than in other species of the genus. The distance between the anterior premolars is 0.68 inch [17,3 mm], between the last molars 0.77 [19,6]. In other species the latter measurement exceeds the former by at least one half“. Die von Blanford erwähnten Maasse sind bei dem [Tafel VI] Figur 1 in ⅓ n. Gr. abgebildeten männlichen adulten Skelette (2324) 20,6 und 23,6 mm, der Schädel ist auch länger mit 157 mm, gegen 146 (5.75 inches) bei Blanford. Jentink (p. 179) giebt die Länge eines adulten Schädels auf 148 mm an, die Breite auf 45, die Jochbogenbreite auf 85, bei dem 157 mm langen Schädel von 2324 ist die Breite nur 43 und die Jochbogenbreite 79, er ist also länger und schmäler als der von Jentink abgebildete. Die ersten Praemolaren sind noch vorhanden, Jentink sagt, sie fehlen bei adulten Exemplaren, was aber wohl nur bei alten der Fall sein mag, denn 2324 ist adult, wenn auch etwas jünger als das Exemplar a (Cat. p. 94), dessen Schädel Jentink abbildete. Länge des Körpers und Kopfes des ausgestopften Ex. (2310, zu Skelet 2324) 820 mm, Länge vom Vertex zum Anus 680, Länge des Schwanzes 690.