Da mir das Exemplar 2310 in Spiritus zukam, so liess ich die (linke) Vola und Planta, ihres bemerkenswerthen Oberflächenreliefs wegen, photographiren und bilde sie [Tafel VI] Figur 2 und 3 in n. Gr. ab. Ein auffallender Unterschied mit anderen von mir daraufhin untersuchten Paradoxuri besteht darin, dass die Tastballen bei P. musschenbroeki glatt, bei jenen gefeldert sind.

Vola (Figur 2). Die 5 Nagel- oder Endballen (a–e)[5] sind relativ mässig, die sie verbindende Schwimmhaut dagegen ist sehr stark entwickelt, die 4 Metacarpophalangealballen (α–δ), besonders der 3. (γ), zeigen mächtige Ausbildung, wie auch der Radial- und der Ulnarballen (r und u), besonders letzterer, der überhaupt der grösste Tastballen der Vola ist; der 4. Metacarpophalangealballen (δ) zeigt proximal eine kleine Abschnürung; ein Pisiformballen (P) ist kaum angedeutet. Diese Metacarpophalangeal-, Radial- und Ulnarballen bilden mehr oder weniger ein zusammenhängendes, nur durch schmale Furchen von einander getrenntes Gebilde, mit der Ausnahme jedoch, dass sie in der Mitte eine mit groben Warzen besetzte vertiefte intermediäre Tastfläche[6] umschliessen, auch proximal und peripher reihen sich den Ballen einige Warzen an; die Tastballen aber sind ganz glatt und nicht mit Warzen besetzt.

Planta (Figur 3). Die Endballen und Metatarsophalangealballen verhalten sich sehr ähnlich denen der Vola, so dass die Abbildung zum Verständnisse genügen dürfte. Der Tibialballen (t) ist langgestreckt, und verschmälert sich proximalwärts, der Fibularballen (f) ist etwas kürzer; zwischen beiden liegt eine längliche intermediäre Tastfläche, die mit unregelmässig angeordneten polygonalen oder abgerundeten, groben, an einander stossenden Warzen besetzt ist. Die peripher stehenden Warzen sind hier regelmässiger (einreihig) angeordnet als auf der Vola.

Untersucht man dagegen dieselben Gebilde z. B. bei P. musanga Gr. (B 3261 von Sumatra, in Spiritus), so findet man eine grosse Reihe von Unterschieden, vor Allem aber sieht man schon mit unbewaffnetem Auge, dass alle Tastballen gleichmässig mit polygonalen flachen Hautwarzen vollkommen [[12]]besetzt sind, und ebenso die intermediären Tastflächen, soweit vorhanden, so dass ein dichtes Netzwerk, eine Felderung, entsteht; nur die Schwimmhaut zwischen den Endballen und den Metacarpo- und Metatarsophalangealballen ist glatt. Die 5 Endballen der Vola und Planta sind sehr stark entwickelt. Der 1. Metacarpophalangealballen steht etwas abgegrenzt, die anderen 3 sind aber fast mit einander verschmolzen; der Ulnarballen ist sehr gross, der Radialballen etwas kleiner, beide liegen aber direct an den Metacarpophalangealballen; dem Ulnarballen reiht sich ein kleiner Pisiformballen an. 1. und 2. Metatarsophalangealballen etwas gegeneinander abgegrenzt, 3. und 4. mit einander verschmolzen; Tibial- und Fibularballen langgestreckt, letzterer etwas breiter und distal mit dem 1. Metatarsophalangealballen verschmolzen; zwischen dem Tibial- und Fibularballen eine lange breite intermediäre Tastfläche mit groben polygonalen, an einander stossenden Warzen besetzt.

An trockenen Exemplaren lässt sich die Disposition der Tastballen nicht genau studiren, ihre Felderung aber konnte ich bei P. musanga von Borneo, fasciatus Desm. von Java, philippensis Jourd. von Panay und leucomystax Gr. von Borneo (?) als die gleiche erkennen wie bei P. musanga in Spiritus. Klaatsch (Morphol. Jahrb. 14, 417 1888) beschreibt die Ballen von P. typus [niger (Desm.)] auch als mit grösseren polygonalen, ziemlich flachen Hautwarzen besetzt, es scheint also, dass die meisten, wenn nicht alle Paradoxurus-Arten, bis auf P. musschenbroeki, gefelderte Tastballen haben, während dieser die glatten mit Viverren gemein hat.[7] Das Oberflächenrelief einer jeden Paradoxus Art wird wohl anders gestaltet sein, allein wenn alle bis auf P. musschenbroeki gefelderte Tastballen besitzen, so hat dieses abweichende Verhalten des letzteren doch wohl mehr Gewicht. Allerdings kommen derartige morphologische Differenzirungen innerhalb einer Gattung auch sonst vor, wie wir denn oben (S. 8) eine solche, nach Weber, in dem beschuppten und glatten Tarsier-Schwanze zu erkennen hatten; falls jedoch dies Verhalten von P. musschenbroeki unter den Paradoxuri wirklich ein isolirtes ist, und Hand in Hand geht mit den anderen abweichenden Charakteren (Schädel, Schwanzringelung etc.), so wäre eine generische Abtrennung vielleicht geboten. Der ganze Habitus von P. musschenbroeki weicht von dem der anderen Paradoxuri durch Plumpheit ab, der dicke Kopf ferner mit seinen langen steifen, hellen und dunklen Schnurren, und die breiten Füsse mit ihren stark ausgebildeten Schwimmhäuten geben dem Thier etwas otterartiges, was Jedem sofort in die Augen springt, so dass man zuerst gar keinen Paradoxurus vor sich zu haben vermeint.


[1] Wie Cryptoprocta ferox Th. Benn. das grösste von Madagaskar; Paradoxurus leucomystax Gr. von Malacca, Borneo und Sumatra ist kleiner als P. musschenbroeki. [↑]

[2] Faber hatte 1878 auch zwei Exemplare an das Gothaer Museum geschickt. [↑]

[3] Teijsmann (Natuurk. Tijdschr. Nederl. Ind. 38, 77 1879) hörte, dass sie am Pik von Bonthain vorkomme, dies bedarf natürlich der Bestätigung; Weber (Zool. Erg. I, 110 1890) fand in Süd Celebes keine Spur davon, ebensowenig wie Wichmann (l. c.) als er von Palos nach Parigi ging, allein wenn man bedenkt, wie lange das relativ grosse Thier in der naturwissenschaftlich so viel durchsuchten Minahassa verborgen blieb, so sind solche negativen Befunde vorläufig ganz und gar nicht beweisend. [↑]

[4] Wie aus Jentinks Pl. 2 ersichtlich. [↑]