„Dem Pöbel offenbarten
„Hat man von je gekreuzigt und verbrannt!“
Wir sehen im Gore ot uma einen strebenden, mit glühender Vaterlandsliebe begabten, jungen Mann von seinen Reisen zurückkehren; auf diesen hat er mit Verdruß erkannt, daß die Gesellschaft seiner Zeit in Rußland eine Copie darstellt, und dieser Gedanke erfüllt ihn auf’s schmerzlichste. Mit diesem Unfrieden im Herzen kehrt er ins Vaterland zurück, und findet zum Unglück noch seine Jugendgeliebte kalt und abgewendet. Seine Mißstimmung steigert sich dadurch, sein Mund geht über wovon sein Herz voll ist, er macht sich aller Welt verhaßt, und durch ein Mißverständniß, das jeder befördert, sieht er sich für verrückt erklärt und steht einsam da.
Der Dichter schwingt die unbarmherzigste Geissel des Spottes über die verderbten sozialen Zustände in einer Hauptstadt; alle Charactere sind aus dem Leben gegriffen und von einer solchen inneren, menschlichen Wahrheit, daß wir immer glauben bekannten Erscheinungen und Personen zu begegnen, und dem Verfasser daher immer von Herzen Recht und Beifall geben.
Ich theile übrigens nicht die Ansicht Vieler, als ob Gribojädoff geglaubt habe Russen zu schildern; wenn er diese Ansicht hatte, so ist es ihm ergangen wie Wilhelm Meister, der nur Schauspieler kannte, sich über sie bitter beschwerte und in ihrer Beschreibung auf’s treffendste, ohne es zu wissen, — Menschen schilderte. Ich glaube in jedem Lande in Europa und besonders in den größeren Provinzialstädten wird man ähnliche Erscheinungen mit geringer Modification, durch Nationalität bedingt, wiederfinden, und eine freie und gehörig modificirte Übersetzung würde daher gewiß in jedem Lande Beifall finden. Über den Werth des Stücks hat die Zeit bereits entschieden, die strengste Kritik muß entwaffnet werden durch die Thatsache, daß jedermann, ehe das Stück gedruckt wurde — es bereits in der Abschrift besaß und fast auswendig wußte, so daß nach Polewoi’s Ausdruck die Buchdruckerkunst für Gribojädoff nicht erfunden zu sein brauchte.
Die in den Namen der Personen in dem Wortlaut involvirte Bezeichnung der Charactere wäre etwa folgende:
Famussoff dürfte von famose abzuleiten sein, in ironischem Sinne, wie man z. B. sagt — ein famoses Subject oder ein sauberes Subject. Famussoff ist ein selbstzufriedener, geld- und titelsüchtiger gemeiner Büreaucrat.
Tschatzki (von чадъ — Dunst?), der einzige würdige Character im ganzen Stück. Sein Schicksal ist in dem Titel des Stücks ausgesprochen. Wollte der Dichter durch seinen Namen bezeichnen, daß er ein Träumer war? Tschatzki macht sich freilich Luftschlösser, er schwärmt — aber er ist ein edler Schwärmer.
Moltschálin (von молчать — stille sein, schweigen) ist ein armseliger Character; ein Mensch von niederer Herkunft und Gesinnung. Er spielt die Flöte und schreibt eine gute Hand.
Scalosúb (Zähneblecker, Spottvogel), ein bornirter Kamaschenheld, der keine Ahnung von der wahren Bedeutung eines Kriegers hat. — Bezeichnend ist es, daß er als Formenmensch nur immer Zahlen im Munde hat.