„Strick, was machst du?“

Kläglich stottert der: „Nun bin ich auch tot.“ Weint: „Meine Stiefel haben sie mir ausgezogen.“

Es schlägt fünf. Jammert Strick: „Wie lange sollen wir hier noch liegen.“

„Ich weiß nicht. Der amüsiert sich jetzt in deinen Sachen, spielt den Herrn Baron. Den mußt du sehen, wie der sich benimmt. Und uns läßt er liegen, als wenn’s nichts wäre. Wer soll denn jetzt Visite machen: es ist fünf.“

Da hebt der Doktor den Arm: „Schon fünf und noch keine Visite. Einer muß gehen, du oder ich.“

„Ich kann nicht, Werner. Ich kann wirklich nicht. Mir pellt sich schon die ganze Haut ab. Was sollen sich die Patienten von unserem Krankenhaus denken, wenn ich Visite mache.“

„Zeig’ mal,“ sagt Strick. Der dreht sich ihm zu. „Pfui, siehst du aus. Da muß ich gehen. O je, bin ich geschunden.“

Strick hinkt zur Tür: die ist abgeschlossen, die Nebentür steht auf. Auf der Station sehen ihn die Schwestern an. Die eine jammert: „Sind Sie schon tot? Ach Gott, erst der Medizinalpraktikant und dann Sie.“

Eine andere weint: „Es ist aber schnell gegangen. Wie blau Sie sind. Jetzt haben wir keinen Doktor mehr.“ Die Dritte blickt mitleidig auf seine Füße: „Sie gehen schon auf Strümpfen.“

Herzlich spricht ihm die Oberschwester ihr Beileid aus, zugleich für die verreiste Oberschwester der Nachbarstation. Sie begleiten ihn zum Ausgang, geben ihm zwei Kränze mit, die sie für einen anderen gekauft haben: winken mit den Taschentüchern hinter ihm her. Vor seiner Wohnung macht er Halt: ihm ist sein Zimmer, der Teufel samt Feuchtedengel zuwider. Er will sich zu den Kränzen nur noch einen anständigen Sarg kaufen. Der Portier leiht ihm einen Schafpelz und Filzpantoffeln. „Gehen Sie rasch, Herr Doktor,“ sagt er, „dann reicht’s zwei Stunden. Lassen Sie die Kränze hier, ich leg’ sie Ihnen oben rauf.“ Strick hetzt durch die Läden, in der Kapellenstraße wird er matt, läuft, um sich zwei silberne Reitpeitschen zu kaufen. Oben im verschneiten Stadtpark sinkt er auf eine Bank, fällt ganz auf die Seite, herunter vom Sitz, freut sich: „Jetzt wird man mich ehrlich begraben.“ Liegt im Schnee, im Finstern.