Es war schon spät.

Sofja Petrowna war auf dem Wege nach Hause, sie verbarg ihr Näschen in den flaumigen Muff. Hinter ihrem Rücken dehnte sich die Troitzkibrücke, lief endlos gegen die Inseln, die stumm in der Ferne sich dehnten; über die große eiserne Brücke breiteten sich Schatten, legten sich auf das feuchte Geländer, legten sich auf die grünlichen, von Bazillen wimmelnden Wasserflächen.

Plötzlich weiteten sich Sofja Petrownas Augen, begannen zu zwinkern, schielten: unter dem feuchten, feuchten Geländer lag mit gespreizten Beinen ein dunkles tigerartiges Tier, in den Zähnen eine silberne Reitpeitsche; die runde Schnauze des tigerartigen Tieres war zur Seite gewandt; als Sofja Petrowna in diese Richtung den Blick warf, sah sie das wächserne Gesicht mit den vorstehenden Lippen, den Blick auf das grünliche, von Bazillen wimmelnde Wasser gerichtet; es schien, als barg dies Gesicht in sich einen teuflischen Gedanken, der in ihr seinen Widerklang gefunden hatte; denn quälend verfolgten sie in den letzten zwei Tagen die Worte aus der allbekannten Romanze:

Wir standen am Ufer der Newa

Und sahen dem purpurnen Sonnenuntergang zu.

Und nun, er stand auf dem Ufer der Newa und sah dumpf auf das Grün, oder nein — er flog mit dem Blick in die Ferne, wo sich die Ufer breiteten, wo sich resigniert die Inselhäuser duckten, wo über den weißen Festungswänden hoffnungslos und kalt die qualvoll scharfe, herzlose, kalte Spitze der Petropawlowski-Festung zum Himmel ragte.

Es zog sie zu ihm — was sind Worte, was sind Gedanken! Aber er, er bemerkte sie wieder nicht; mit den vorstehenden Lippen und glasig erweiterten Augen ähnelte er in seinem weiten Mantel einem kleinen, armlosen Krüppel.

Als sie vorbei war, wandte sich Nikolai Apollonowitsch langsam um und ging mit raschem, trippelndem Schritt fort; an der Ecke vor der Brücke wartete sein Wagen; der bald dahinraste; und als sein Wagen Sofja Petrowna überholte, wandte Nikolai Apollonowitsch, während er, zum Hunde niedergebeugt, mit den Händen dessen Halsband herunternahm, den Blick der einsam schreitenden dunklen Gestalt zu, die ihr Näschen in den Muff gesteckt hat; er sah sie an, lächelte; doch der Wagen raste vorbei.

Plötzlich, unerwartet, begann der erste Schnee zu fallen; seine lebendigen Diamanten schimmerten tanzend im Lichtkreis der Laterne; nur ganz, ganz matt beschien der Lichtkreis auch eine Mauer des Palais, den Kanal und die kleine steinerne Brücke; leer war es rundum; eine einsame Droschke wartete auf jemand an der Ecke, und der Kutscher pfiff sorglos ein Liedchen; in der Droschke lag nachlässig hingeworfen ein weiter grauer Mantel.

Sofja Petrowna Lichutina blickte, auf der Brücke stehend, verträumt in die Tiefe; Sofja Petrowna Lichutin war schon öfters dagestanden; einmal stand sie auch mit ihm da; und sie sprach von den göttlichen, wundervollen, zauberhaften Klängen einer Oper und, mit dem Fingerchen dirigierend, sang sie halblaut: