»Tatam-tam-tam! . . . Tatam-tam-tam!«

Nun stand sie wieder da; ihre Lippen öffneten sich, das Fingerchen hob sich in die Höhe:

»Tatam-tam-tam! . . . Tamtam-tam-tam!«

Plötzlich hörte sie Schritte, die sich ihr rasch näherten. Sie sah sich um — und schrie nicht einmal auf: hinter der Palaisecke erschien der rote Domino, lief wie suchend bald hin, bald her und stürzte, die Frauengestalt auf der Brücke entdeckend, ihr entgegen; er stolperte vom Laufen und hielt die Maske weit vor sich, der kalte Newawind aber spielte mit dem schwarzen breiten Spitzenfächer. Sofja Petrowna Lichutina hatte angesichts der laufenden Maske kaum Zeit, sich klar darüber zu werden — daß der rote Domino eine Narrenmaske sei, daß ein geschmackloser Witzbold (und wir wissen, wer es war) mit ihr einfach einen Scherz machen wollte, daß hinter der Samtmaske sich ein menschliches Gesicht verbarg — Sofja Petrowna dachte (sie hatte ja so eine winzige Stirn), daß die Welt ein sonderbares Loch bekommen habe und daß sich auf sie aus diesem Loch, keinesfalls aber aus der umgebenden Welt, ein teuflischer Spaßvogel stürzte; wer dieser teuflische Spaßvogel sei, das hätte sie kaum zu erklären vermocht.

Als die schwarze Spitzenmaske stolpernd die Brücke erreichte, riß ein Windstoß an dem roten Narrenanzug so heftig, daß seine Flügel übers Geländer in die dunkelfarbige Nacht flogen; zum Vorschein kam ein wohlbekannter Anzug, und der furchtbare Domino verwandelte sich einfach in den armseligen Witzbold; in diesem Augenblick rutschte der Witzbold aus und fiel mit der ganzen Wucht seines Körpers zu Boden; über ihm aber klang jetzt lautes, unbändiges Lachen:

»Kleiner Frosch, Scheusal — roter Narr! . . .«

Ein flinker kleiner Frauenfuß stieß zornig gegen den Narren.

Längst des Kanals eilten inzwischen bärtige Männer daher, aus der Ferne ertönte das Polizeisignal; der Narr sprang auf; der Narr stürzte zur Droschke; man sah aus der Ferne, wie in der Droschke sich hilflos eine Gestalt bewegte, bemüht, den Mantel wieder über die Schulter zu ziehen. Sofja Petrowna begann zu weinen und verließ im Laufschritt die verruchte Stelle. Vom Kanal her lief bellend in der Richtung der Droschke die stumpfnasige Bulldogge: ihre kurzen Beine flitzten nur so dahin, und hinterher raste ein Gefährt, in dem zwei Schutzleute saßen.

Es winselte ein toller Hund

Sofja Petrowna lief gekränkt auf die andere Seite; gekränkt vergoß sie Tränen in ihren Muff; an das schreckliche, für sie ewig schmachvolle Geschehnis konnte sie nicht denken. Hätte Nikolai Apollonowitsch sie nur in anderer Weise beleidigt, hätte er sie lieber geschlagen, hätte er sich in seinem roten Domino übers Geländer gestürzt — sie würde ihr ganzes weiteres Leben mit grausigem Beben an ihn gedacht haben. Jetzt aber Rache, Rache!