Wie ein Sturm lief Sofja Petrowna in ihre Wohnung. Im hellen Vorzimmer hing ein Offiziersmantel mit Kappe: ihr Mann war also zu Hause. Ohne abzulegen, flog Sofja Petrowna ins Zimmer des Gatten; sie riß mit derber, prosaischer Geste die Tür auf, flog hinein: mit zerzauster Boa, weichem Muff und flammendem, flammendem Gesichtchen, das so unschön geschwollen war: flog hinein und blieb stehen.
Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin schien sich zum Schlafengehen fertigzumachen; seine graue Joppe hing bescheiden auf dem Kleiderstock, er selbst aber in schneeweißem Hemd und Hosenträgern — lag auf den Knien, einer regungslosen, wie gebrochenen Silhouette gleich; er hatte ein matt glänzendes Heiligenbild vor sich, mit knisterndem Öllämpchen davor. Blaß zeichnete sich im Halbdunkel des Öllämpchens das Gesicht des Offiziers mit spitzem, blau erscheinendem Bärtchen und der zur Stirn gehobenen, blauen Hand; Hand, Gesicht, Bart und weiße Brust schienen wie geschnitzt aus festem, duftendem Holz; kaum merkbar bewegte Ssergeij Ssergeijewitsch die Lippen, kaum merkbar neigte er seine Stirn gegen das blaue Lichtchen, und kaum merkbar rührten sich die aneinandergepreßten blauen Finger an der Stirn, das Kreuz schlagend.
Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin drückte erst die bläulichen Finger auf die Brust und auf beide Schultern, verneigte und wandte sich dann wie gegen seinen Willen um. Ssergeij Ssergeijewitsch Lichutin erschrak nicht, wurde nicht verlegen; sich vom Fußboden erhebend begann er gewissenhaft hängengebliebene Stäubchen von den Knien zu entfernen. Nach dieser etwas langsam vollführten Handlung fragte er ruhig:
»Was hast du, Ssonjuschka?«
Die gleichmütige Ruhe des Gatten reizte und beleidigte sogar Sofja Petrowna, ebenso wie das blaue Lichtchen dort in der Ecke. Mit einem scharfen Ruck fiel sie auf einen Stuhl, ihr Gesicht mit dem Muff deckend, und begann laut zu weinen.
»Aber Sonja . . . Nun beruhige dich doch . . . Beruhige dich doch, mein Kind! Kindchen, Kindchen! . . .«
»Lassen Sie mich, lassen Sie mich! . . .«
»Was ist geschehen? Sag’! . . . Wir wollen uns beide ruhig darüber beraten.«
»Nein, lassen Sie mich, lassen Sie mich! . . . Nichts . . . lassen Sie mich! Sie scheinen kaltes . . . aaaa . . . Fischblut zu haben . . .«
Verletzt trat Ssergeij Ssergeijewitsch beiseite, blieb einen Augenblick unschlüssig stehen und ließ sich dann ebenfalls in einen Sessel nieder.