Diese nützlichen Übungen machte er besonders eifrig an jenen Tagen, an denen er an Hämorrhoiden litt.
Nach den nützlichen Übungen zog er die Decke über sich, um sich der friedlichen Ruhe hinzugeben und die Reise zu beginnen: denn der Schlaf (das fügen wir von uns hinzu) ist eben nichts anderes als eine Reise.
Das alles vollführte Apollon Apollonowitsch auch heute. Bis zum Kopf in die Decke gehüllt, schwebte er bereits in der zeitlosen Leere.
Aber da werden wir unterbrochen, und man fragt uns: »Wieso Leere? Und die Wände, der Boden? Und . . . so weiter? . . .«
Wir antworten:
Apollon Apollonowitsch sah immer zwei Räumlichkeiten vor Augen: eine war die materielle (die Zimmerwände, die Wände des Wagens usw.), die andere — nicht gerade die geistige . . . (die materielle aber keinesfalls) . . . Also, über seinem Kopf sah der Senator Ableuchow sonderbare Strömungen: funkelnde, gleißende, aber auch neblige, irisierende Flecke, aus sich drehenden Zentren hervorgehend, im Halbdämmer die Grenzlinien der materiellen Flächen verschleiernd; so schwirrte Raum im Raum, und letzterer, alles andere verdeckend, verband sich mit dem Unermeßlichen der sich bewegenden, sich biegenden Perspektiven, deren Inhalt aus . . . so etwas wie Tannennadeln, Sternchen, Fünkchen, Flämmchen bestand. Apollon Apollonowitsch pflegte vor dem Einschlafen die Augen zu schließen und sie dann wieder zu öffnen; wobei sich folgendes ergab: die Flämmchen, Nebelflecke, Fäden und Sternchen fügten sich wie aufsteigender heller Schaum brausender, übergroßer Dunkelheiten plötzlich zu wahrnehmbaren, deutlichen Bildern (für eine Viertelsekunde nur): zu einem Kreuz, zu einem Brillanten, zu einem Vieleck, zu einem Schwan, zu einer lichterfüllten Pyramide. Dann zerstob alles. —
Apollon Apollonowitsch besaß ein seltsames Geheimnis: die Welt der mathematischen Figuren, der Konturen, der Zitterigkeiten, der absonderlichen physischen Empfindungen — kurz: ein All der Seltsamkeiten. Dieses All entstand immer vor dem Schlafengehen und entstand so, daß Apollon Apollonowitsch in diesem Augenblick alle früheren Unvernehmbarkeiten, Geräusche, kristallographischen Figürchen, goldene, im Finstern sich tummelnde chrysanthemenartige Sterne auf vielfüßigen Strahlen wahrnahm (manchmal übergoß ein solcher Stern des Senators Schädel mit flüssigem Gold, dann lief es ihm kalt über den Schädel); kurz, er erinnerte sich alles dessen, was er am Tage vorher gesehen hatte und dessen er sich folgenden Morgen wohl nicht mehr erinnerte.
Manchmal (nicht immer) merkte Apollon Apollonowitsch beim Schlafengehen, in den letzten Momenten seines Tagesbewußtseins, daß alle Fäden, alle Sterne, einen kochenden Wirbel bildend, aus sich einen Korridor bauten, der ins Unendliche lief; und (was das Seltsamste war) er fühlte, daß dieser Korridor seinen Anfang im Senatorkopfe hatte, daß er, der Korridor — eine unendliche Fortsetzung des Kopfes selbst sei, seines Kopfes, dessen Scheitel sich öffnete, um eine Fortsetzung zum Unermeßlichen zu bilden; und so gewann der alte Senator vor dem Einschlafen den höchst sonderbaren, eigentümlichen Eindruck, als sähe er nicht mit den Augen, sondern mit dem Zentrum seines Kopfes, das heißt, als sei er, Apollon Apollonowitsch, nicht er, sondern ein Etwas, das in seinem Hirn saß und von dort aus alles ansah; wurde der Scheitel geöffnet, konnte jenes Etwas frei und ohne Hemmung über den Korridor bis zu dem in unendlich weiter Ferne liegenden Abgrundsrand laufen.
Das war die zweite Räumlichkeit des Senators — das Land seiner allnächtlichen Reisen; und nun genug davon . . . ja.
Den Senatorkopf in die Decke gehüllt, schwebte er bereits über der zeitlosen Leere, der lackierte Fußboden löste sich schon von den Beinen des Bettes, und dieses stand sozusagen im Unbekannten — als des Senators Ohren sonderbare Laute vernahmen, ähnlich denen aufschlagender Hufe.