Sofja Petrowna sah, wie schmerzhaft Nikolai Apollonowitsch dem Mädchen zulächelte; dann verließ er mit scharfem Ruck seinen Platz und ging eilig in den Saal.

An herumstehenden Masken; und tanzenden Paaren vorbei rannte Nikolai Apollonowitsch mit zitternden Beinen immer weiter, und hinter ihm her rauschte der karminrote Atlas, bei dessen Anblick man unwillkürlich an Blut denken mußte.

Diese Flucht des roten Dominos mit nach oben geschobener Maske, unter der das Gesicht Nikolai Apollonowitschs zu sehen war, gestaltete sich zu einem wahren Skandal; die Tanzenden verließen ihre Plätze, die Damen sahen ihm mit weit aufgerissenen Augen nach. Der Leibhusar Sporyschow ergriff den laufenden Ableuchow an der Hand und fragte flehend: »Um Gottes willen, Nikolai Apollonowitsch, was ist geschehen?« — Doch wie ein gehetztes Tier sah ihn dieser mit wahnsinnigem Gesichtsausdruck an, versuchte zu lächeln, ohne daß daraus ein Lächeln wurde, und stürzte, sich losreißend, weiter.

Dieser Zwischenfall im Tanzsaal lenkte auch die Aufmerksamkeit des Salons auf sich; die schwerfälligen Salonbesucher drängten sich, beschienen vom bläulichen Lichte, in die Tür, neugierige Blicke in den Tanzsaal richtend. Aus dieser Gruppe hob sich des Senators kleine, vertrocknete Gestalt mit wie aus papiermachébleichem Gesicht, mit festeingezogenen Lippen und grünlichen, abstehenden Ohren: genau so war er kürzlich auf dem Titelblatt eines humoristischen Straßenblättchens dargestellt gewesen.

Wie aber wenn . . .?

Sofja Petrowna Lichutina blieb mitten im Saale stehen.

Erst jetzt wurde ihr ihre furchtbare Rache klar; erst jetzt verstand sie deutlich den Inhalt des Briefchens: begriff, daß der Brief Nikolai Apollonowitsch aufforderte, die mit einem Uhrmechanismus versehene Bombe, die sich angeblich in seinem Schreibtisch befand, gegen — dies war kaum mißzuverstehen — gegen den Senator zu werfen (denn Apollon Apollonowitsch wurde allgemein der Senator genannt).

Sofja Petrowna stand verloren mit leicht zur Seite geneigter Taille unter den Masken und bemühte sich, das Ganze zu begreifen; gewiß, es war ein boshafter und gemeiner Scherz von jemand, und von ihrer Seite die Lust, ihn durch diesen Scherz zu erschrecken: er war ja doch . . . der schuftige Feigling. Wie aber, wenn . . . Nikolai Apollonowitsch wirklich in seinem Tische einen so furchtbaren Gegenstand liegen hat? Und wenn man das erfährt? Und ihn jetzt gleich festnehmen wird? . . . Verloren stand Sofja Petrowna unter den Masken, mit himmelblauer Taille und silbergrauen, üppigen Locken.

Überall hörte man ein Flüstern, ein Murmeln.

»Nein, haben Sie es gesehen? Verstehen Sie es? Was?«