Sie fiel, weiß Gott warum, zu seinen Füßen, umarmte sie und weinte:
»Du Armer, Armer, Geliebter! . . .«
Was sie noch miteinander flüsterten — weiß der Himmel: das blieb unter ihnen; bei der Morgenröte aber sah man ihn seine mageren Arme über sie breiten:
»Gott wird dir verzeihen . . . Gott wird dir verzeihen . . .«
Das rasierte Gesicht lachte glücklich: wer konnte auch jetzt nicht lachen, angesichts des lachenden Himmels, an dem leichte, schimmernde Wölkchen dahinflogen?
Der Bürger
Weit dehnten sich und liefen die Gäßchen, Gassen, Straßen und vornehmen Prospekte auseinander; aus dem Dunkel trat bald die hochragende Ecke eines Hauses hervor, eines schweren Ziegelsteinbaus, zusammengesetzt aus lauter Wuchtigkeiten; bald gähnte im Dunkel ein Portal, vor dem zwei steinerne Ägypter den steinernen Vorsprung eines Balkons trugen. Mitten im Petersburger Nebel, aus dem Dunkel in das Dunkel, schritt Apollon Apollonowitsch weiter, an dem hochragenden Haus vorbei, an der steinernen Ecke, an all den Hunderten zentnerschweren Wuchtigkeiten vorbei, er ging und ging, alle Schwierigkeiten überwindend: nun erreichte er einen niederen, grauen, ein wenig moderigen Bretterzaun.
Da ging plötzlich eine niedrige Tür auf, die dann offen stehen blieb; weißer Dampf wälzte sich aus der Türöffnung, scheltende Stimmen, das Klimpern einer armseligen Balalaika und Gesang drangen nach außen.
So ist also der Bürger? Apollon Apollonowitsch empfand plötzlich Interesse für diesen Bürger, und es gab da einen Augenblick, wo ihn der Wunsch packte, an die erste beste Tür zu pochen und den Bürger zu suchen; aber da fiel ihm ein, daß eben dieser Bürger ihm einen schmachvollen Tod wünschte: sein Zylinderhut rutschte auf die Seite, und die müden Schultern sanken:
— Ja, ja, ja: sie hatten ihn in Stücke zerrissen; nicht ihn selbst, aber seinen besten Freund, einen Freund, wie ihn das Schicksal einem Menschen nur einmal im Leben sendet; einen Augenblick lang sah Apollon Apollonowitsch deutlich vor sich einen grauen Schnurrbart, die grünliche Tiefe der auf ihn gerichteten Augen, während sie beide über der Reichskarte gebeugt dasaßen und ihr seltsam jugendhaftes Greisenalter sich in heißen Träumen erging (das geschah gerade einen Tag, bevor . . .). Aber die Bürger hatten auch diesen einzigen Freund zerfleischt, den ersten unter den ersten . . . Man sagt, das dauert nur eine Sekunde, dann aber ist — rein gar nichts . . . Was ist nun zu machen? Ein Staatsmann ist nun einmal ein Held; aber doch — brr — brr . . .