Sechstes Kapitel
Er fand wieder den Faden seines Seins
Es war ein trüber Petersburger Tag.
Wollen wir nun zu Alexander Iwanowitsch zurückkehren; Alexander Iwanowitsch erwachte; Alexander Iwanowitsch schlug die Augen auf, doch die fielen ihm immer wieder zu; die Geschehnisse der Nacht wurden zurück in die unterbewußte Welt gedrängt; seine Nerven waren zerrüttet: die Nacht war für ihn ein Ereignis von riesiger Bedeutung.
Wenn er sich zwischen Schlaf und Wachsein befand, war es ihm, als werde er in eine Tiefe geschleudert: als fiele, stürze er aus einem Fenster des fünften Stocks; seine Empfindungen zeigten ihm eine Bresche, die in seine Welt geschlagen wurde; durch diese Bresche flog er in eine andere, gestaltenwimmelnde Welt hinein, von der es nicht genügt zu sagen, man werde dort von furienähnlichen Geschöpfen überfallen: in ihr war selbst das Weltgewebe nichts als Furiengewebe.
Erst gegen Morgen vermochte Alexander Iwanowitsch von sich diese Welt abzuschütteln; und er versank dann in Wonne; das Erwachen stieß ihn jäh wieder hinunter: es blieb in ihm ein unbestimmtes Sehnsuchtsgefühl zurück, und sein ganzer Körper schmerzte.
Im ersten Augenblick nach dem Erwachen merkte er, daß er von Frost geschüttelt wurde, er hatte die Nacht hindurch gefiebert: etwas ging mit ihm vor . . . Doch was?
Während der ganzen langen Nacht rannte er im Delirium durch neblige Straßen oder stieg über Stufen einer geheimnisvollen Treppe; am wahrscheinlichsten aber war es das Fieber gewesen, das durch — seine Adern rannte; das Gedächtnis erzählte etwas, aber die Erinnerungen daran entglitten immer wieder, und er bemühte sich vergeblich, es festzuhalten.
Ernstlich erschrocken (bei seiner Einsamkeit fürchtete sich Alexander Iwanowitsch vor Krankheiten), dachte er, es würde gut für ihn sein, wenn er das Zimmer nicht verließe.