Diese Gedanken an Tee mit Himbeer, an Wodka, an Stjopka, an die Offenbarung Johanni beruhigten ihn erst, indem sie die Ereignisse der Nacht zu einer Lappalie machten.

Als er sich aber mit dem eiskalten Wasser aus der Leitung und mit Hilfe eines Seifenrestes, der in einem seifigen, gelben Brei lag, gewaschen hatte, fühlte Alexander Iwanowitsch, wie ihn wieder die Ereignisse der Nacht überwältigten.

Er streifte mit dem Blick sein Zwölfrubelzimmer (ein Mansardenraum).

Was für eine traurige Behausung!

Das Hauptmöbelstück des ärmlichen Raumes war das Bett; dieses Bett bestand aus vier Brettern, die auf zwei Holzböcke gelegt wurden; die Oberfläche dieser Böcke war mit ekelhaften, dunkelroten, vertrockneten Wanzenspuren bedeckt, mit denen Alexander Iwanowitsch viele Monate hindurch mit Hilfe eines Wanzenpulvers einen hartnäckigen Kampf geführt hatte.

Auf den Brettern lag eine mit Holzwolle gefüllte, dünne Matratze; über das schmutzige Bettuch hatte Alexander Iwanowitsch sorgfältig eine gestickte Decke gebreitet, deren rote und blaue Streifen mehr vom langjährigen Gebrauch als vom Schmutz grau aussahen; von dieser Decke, die ein Geschenk von irgend jemand (vielleicht von der Mutter) gewesen war, zögerte Alexander Iwanowitsch sich zu trennen; vielleicht auch aus Mangel an Geld (diese Decke hatte ihn auch nach Sibirien begleitet).

Außer dem Bett . . . — ja: hier muß ich noch erwähnen: über dem Bett hing ein kleines Heiligenbild, das den heiligen Seraphin im Fichtenwald auf einem Stein kniend bei seinem tausend Nächte währenden Gebet darstellte.

Außer dem Bett stand dort noch ein glattgehobelter, kleiner Tisch ohne jede Verzierung: in billigen Landwohnungen gebraucht man solche Tische zum Aufstellen der Waschschüsseln; solche Tischchen werden überall auf den Sonntagsmärkten feilgeboten; in der Wohnung Alexander Iwanowitschs war das Tischchen Schreib-, Speise- und Nachttischchen zugleich; Waschschüssel gab es überhaupt keine: bei seiner Toilette bediente sich Alexander Iwanowitsch der Wasserleitung, neben der eine Blechdose mit einem in schleimiger Seifenflüssigkeit schwimmenden Seifenrest hing; außerdem gab es einen Kleiderrechen, auf dem eine Hose baumelte; eine zerrissene Pantoffelspitze blickte unter dem Bett hervor. (Alexander Iwanowitsch träumte eines Nachts: dieser zerrissene Pantoffel wäre ein lebendes Wesen, eine Art Stubengeschöpf, wie etwa der Hund oder die Katze; es schlürfte selbständig aus einer Stelle des Zimmers zur anderen, kriechend und in den Ecken rasselnd; als Alexander Iwanowitsch die schlürfenden Pantoffel mit im Munde aufgeweichtem Semmelbrot füttern wollte, bissen ihn diese in die Finger, weswegen er erwachte).

Es stand noch im Zimmer ein brauner Reisekoffer, der längst seine ursprüngliche Form verloren hatte und Gegenstände von schrecklichster Bedeutung enthielt.

Doch das ganze Möblement dieses sozusagen Zimmers, trat zurück vor der Farbe der Tapete, die unangenehm und frech war, von dunkelgelber oder brauner Nuance, mit riesigen feuchten Flecken; abends kroch langsam bald über den einen, bald über den andern dieser Flecke ein Tausendfüßler. Das ganze Innere des Zimmers war von Tabakrauch erfüllt. Alexander Iwanowitsch mußte unaufhörlich, mindestens zwölf Stunden täglich rauchen, um die farblose Atmosphäre in eine dunkelgraue, blaue zu verwandeln.