»Wie merkwürdig, wie merkwürdig! . . .«

Aus der Ferne des Prospektes, von dort, wo er leer und rein war, zwischen den zwei schwarz wimmelnden Trottoirs, durch die jetzt ein anwachsendes, tausendstimmiges Summen (ähnlich wie in einem Wespennest) kam, sauste eine Droschke heran; in gebückter, halb sitzender Stellung hielt dort ein bartloser Herr, ohne Hut, mit zerzausten Haaren, eine lange, schwere Stange mit den Händen umklammert; ein an der Stange befestigtes großes rotes Tuch durchschnitt mit leichtem Pfeifen die Luft; indem es sich in der kalten weiten Leere wellenförmig wand, krümmte und seine zungenartigen Enden vorstreckte; merkwürdig war dieser Flug der roten Flagge durch den leeren Prospekt; als aber der Wagen mit dem fliegenden roten Tuch vorüber war, gerieten die steifen Hüte, Dreimaster, Zylinder, Schirmmützen, Federhüte und die buschigen, mandschurischen Mützen auf den Trottoirs in Bewegung; es entstand ein Wogen, ein Stampfen von Füßen, ein Stoßen von Ellbogen, und plötzlich ergoß sich die schwarze Menge von den Trottoirs auf die Mitte des Prospektes; aus den zerrissenen Wolken sandte die blasse Sonnenscheibe für einen Augeblick gelbliches Licht auf die Häuser, die Spiegelscheiben, die lackierten Schirmmützen; der Sturm war mit seinem tollen Tanz zu Ende. Der Regen hatte ausgeweint.

Die Menge riß auch Ableuchow und Lichutin mit sich; sie wurden vom Trottoir geschoben und durch ein paar kräftige Ellbogen voneinander getrennt; Nikolai Apollonowitsch wollte die Gelegenheit benutzen, um eine Droschke zu erreichen und nach Hause zu fahren, ohne auf die Auseinandersetzung mit Lichutin einzugehen: denn zu Hause lag noch immer . . . die Bombe im Schreibtisch und . . . tickte! Solange sie noch nicht in der Newa lag, konnte er ja nicht ruhig sein!

Er wurde fortwährend von den Dahinstürmenden gestoßen: aus den Geschäften, den Friseurläden, Häusern, aus den Querstraßen ergossen sich immer neue Bäche in den Menschenstrom; und immer wieder fluteten Teile dieses Stromes in die Häuser, Läden, Friseurläden, Querstraßen zurück, ein Heulen, Brüllen, Stoßen: mit einem Wort — eine Panik; über den Köpfen in der Ferne breitete sich plötzlich etwas wie Blut: aus den schwarzen Massen erhoben sich kochend rote Zungen, wie Flammen und wie Hirschgeweih.

Und nun — ach wie ärgerlich!

Durch zwei — drei Schultern von ihm getrennt erblickte er die verhaßte Mütze und zwei besorgte Augen, die nach ihm spähten; Leutnant Lichutin hat ihn auch im Gedränge nicht aus den Augen gelassen; gerade als sich Ableuchow von ihm befreit glaubte, suchte dieser ihn durch die Menge wieder zu erreichen.

»Daß wir uns nicht verlieren, Nikolai Apollonowitsch; ich werde mich übrigens schon an Sie halten.«

»Natürlich,« dachte nun vollständig überzeugt Nikolai Apollonowitsch, »der verfolgt mich; ich werde mich von ihm nie mehr frei machen können . . .«

Und er suchte sich durchzudrängen, um nur einen Wagen zu erreichen.

Hinter der Menge her, über den Köpfen und dem Stimmengewirr flatterten die Fahnen wie fließende Zungen und wie fließende Helligkeiten; plötzlich aber blieb alles — Fahnen, wehende Flammen — still, alles erstarb; es ertönte Gesang, deutlich und klar.