Die gebogene achtzigjährige Schulter hinter der Scheibe: von ihr träumt der zufällige Passant lange, von ihm, dem alles nur ein Traum ist und der selber ein Traum ist; auf die gebogene Schulter des greisen Schweizers fällt schwer der dunkle Dreimaster; seine Silbertressen blinken und erinnern an Angestellte der Bestattungsbureaus, wenn sie ihres Amtes walten.

Unverändert bleibt es.

Der schwere Kupferkopf ruht friedlich auf der achtzigjährigen Schulter eines Schweizers; und jahraus, jahrein der mit einem Dreimaster gekrönte Schweizer über dem »Börsenkurier«. Dann erhebt er sich wohl einmal und öffnet die Tür. Am Tage, am Morgen, gegen Abend, wann du an der Eichentür vorbeigehst, am Tage, am Morgen oder gegen Abend — immer erblickst du den kupfernen Stabkopf; immer erblickst du die Silbertressen; immer erblickst du den dunklen Dreimaster.

Verwundert bleibst du vor dieser Vision stehen. Dasselbe hattest du bei deinem vorigen Hiersein gesehen. Fünf Jahre waren vorübergegangen: dumpfe Wellen von Ereignissen waren dahingerollt; China war erwacht; Port Arthur war gefallen; die Gelben hatten unser Amurgebiet überschwemmt; es sind die alten Märchen von den eisernen Reitern des Dschingis-Khan wieder lebendig geworden.

Aber die Visionen der alten Zeiten bleiben unverändert; eine achtzigjährige Schulter, ein Dreimaster, eine Silbertresse, ein Bart.

In dem Augenblick, in dem sich der weiße Bart hinter der Spiegelscheibe bewegen, der schwere Kupferkopf des Schweizerstabes hinter der Tür blitzen und silbrig wie das Rinnenwasser, das dem Kellerbewohner Cholera und Typhus bringt, die weißen Tressen schimmern — und wo dennoch von den alten Zeiten nichts mehr sein wird, — in diesem Augenblick wirst du wie ein Geistesgestörter durch die Petersburger Prospekte rennen.

Wenn dort hinter der blinkenden Glastür der schwere Kupferstab seinen Platz verlassen hätte, dann würde sicher, sicher hier weniger von Typhus und Cholera zu merken sein; China würde nicht so voll Unruhe gären; Port Arthur wäre nicht gefallen; unser Amurgebiet wäre nicht von Zöpfen überflutet und die Reiter des Dschingis-Khan nicht aus ihren vielhundertjährigen Gräbern auferstanden.

Aber höre nur, horch: ein Stampfen von Schritten . . . Aus den Uralsteppen kommt es. Es kommt immer näher, das Stampfen.

Das sind — die eisernen Reiter.