Was für ein Tag!

Schon am frühen Morgen hatten die Tröpfchen zu flüstern, zu klatschen, zu klappern begonnen; von der Meeresküste her türmten sich die nebligen Filzflecken; paarweise erschienen die Schreiber; der Schweizer mit dem Dreimaster machte ihnen auf; sie hängten ihre Hüte wie ihre feuchten Überkleider an die Haken, liefen die mit rotem Tuch belegten Stufen hinauf, liefen durch das weißmarmorne Vestibül, hoben die Augen zu dem Porträt des Ministers und gingen in ihre ungeheizten Säle — an ihre kalten Arbeitstische. Aber die Schreiber schrieben nicht: sie hatten nichts zu schreiben; aus dem Direktorzimmer kamen keine Papiere; das Direktorzimmer war leer; wohl brannten im Kamin lohend Holzscheite. Aber über dem massiven Eichentisch neigte sich nicht der kahle Kopf mit den geschwollenen Adern an den Schläfen, die tiefsitzenden Augen wandten sich nicht gegen den Kamin, wo in lustiger Kornblumenschar giftige Rauchwölkchen emporringelten. Das Direktorzimmer war leer.

An diesem Tag war Apollon Apollonowitsch nicht in sein Arbeitszimmer geschritten.

Das Warten wurde bereits langweilig; ein bescheidenes, fragendes Flüstern ging von Tisch zu Tisch; Gerüchte schoben sich von einem zum anderen; Gespenster huschten durch die Luft; im Zimmer des Vizedirektors knatterte die Telephonglocke.

»Noch nicht herausgekommen? . . . Unmöglich! . . . Sagen Sie, wird dringend erwartet . . . nicht möglich . . .«

Zum zweiten Male knattert das Telephon:

»Haben Sie ausgerichtet? . . . Noch immer beim Frühstück? . . . Sagen Sie, Exzellenz wird dringendst verlangt . . .«

Der Vizedirektor stand mit bebendem Unterkiefer vor dem Telephon; er machte mit den Armen Gesten des vollständigen Unbegreifens; er wartete eine, anderthalb Stunden; dann setzte er seinen überhohen Zylinder auf und stieg die teppichbelegte Treppe hinunter. Die Haustür flog auf vor ihm; er bestieg einen Wagen . . .

Zwanzig Minuten später betrat er das Vestibül des gelben Hauses und erblickte mit Erstaunen seinen Vorgesetzten, Apollon Apollonowitsch Ableuchow, im Morgenrock von widerwärtiger, mausgrauer Farbe, mit unruhig auf ihn gerichteten: Blick hinter der Statue der Niobe stehen.

»Apollon Apollonowitsch!« rief der grauhaarige Ritter des Annaordens und richtete hierbei eilig seinen Halsorden unter der Krawatte zurecht. Er erblickte hinter der Niobe das unrasierte, mit Haarstoppeln bedeckte Kinn.