Ein rosafarbiges Häuschen, von oben bis unten mit Stuck verziert, eilte an ihnen vorbei: dieses Rokokohäuschen war vielleicht einst die Wohnstätte des Hoffräuleins gewesen, des Hoffräuleins mit den schelmischen Grübchen in den Wangen und dem schwarzen Schönheitspflästerchen.
»Ssergeij Ssergeijewitsch . . . Ich, Ssergeij Ssergeijewitsch . . . Ich muß gestehen . . . Ach, ich bedaure so sehr . . . Mein Benehmen war sehr, sehr bedauerlich . . . Ich habe mich benommen, Ssergeij Ssergeijewitsch . . . schmachvoll, betrübend . . . Aber ich habe — eine Rechtfertigung; ja, ich habe, habe eine Rechtfertigung. Als ein gebildeter humaner Mensch, als lichte Erscheinung, dürften Sie, Ssergeij Ssergeijewitsch, das begreifen können . . . Ich habe diese Nacht nicht geschlafen, ich will sagen: ich leide an Schlaflosigkeit . . . Die Ärzte fanden« (er erniedrigte sich nun zu einer Lüge) ». . . Ich meine, mein Zustand wird als sehr ernst betrachtet. Gehirnübermüdung mit Pseudohalluzinationen« (ihm fielen plötzlich Dudkins Worte ein) ». . . Was meinen Sie dazu?«
Ssergeij Ssergeijewitsch sagte nichts: ohne jede Empörung sah er ihn an; in seinem Blicke war nur Ekel (wie in der Nähe einer Ringelnatter); Reptile lösen ja keinen Zorn aus: sie . . . zertritt man nur mit dem Fuß . . .
»Pseudohalluzinationen . . .« wiederholte flehend Ableuchow, erschreckt, klein, ungelenk, und verkroch sich mit den Augen in die des anderen (diese Augen aber antworteten nicht); er wollte schon hier die Auseinandersetzung beenden, hier, in der Droschke und nicht dort in der Wohnung; das verhängnisvolle Hausportal ist schon so, so nahe; ist die Auseinandersetzung bis zur Erreichung des Portals nicht beendet — dann ist alles aus, alles, alles! A—us! Ein Mord geschieht, eine tätliche Beleidigung, oder es kommt zu einer einfachen Schlägerei.
»Ich . . . ich . . . ich . . .«
»Steigen Sie aus, wir sind schon da . . .«
Mit bleiernen, unbeweglichen Blicken sah Nikolai Apollonowitsch um sich, sah in die bläulichen Nebelflocken, sah auf die mit einem Glucksen niederfallenden Tropfen, auf die metallischen Blasen der Pfützen.
Leutnant Lichutin sprang aus der Droschke, warf dem Kutscher das Fahrgeld zu und blieb auf dem Trottoir in Erwartung des Senatorsöhnchens stehen, der, schwerfällig zaudernd, noch nicht ausgestiegen war.
»Warten Sie bitte, Ssergeij Ssergeijewitsch, ich hatte ja einen Stock . . . Wo ist er nur? Ach, sollte ich ihn . . . verloren haben?«
Er suchte wirklich nach seinem Stock; aber der Stock war rettungslos verschwunden; ganz blaß und beunruhigt drehte Nikolai Apollonowitsch die Augen nach allen Seiten.