»Ich plappere nicht, ich erzähle so schon; aber was: hier kann euch Mitrij Ssemjonytsch weitererzählen: er hat ja die Herrschaften im Vorzimmer empfangen . . . Was soll ich weitererzählen? Der gnädige Herr hat der Gnädigen nur gesagt: ‚Bitte‘, hat er gesagt, ‚willkommen, Anna Petrowna‘ . . . Da erst hab ich die gnädige Frau erkannt . . .«
»Na, und wie . . .«
»Alt, sag’ ich euch, ist sie geworden . . . Ich erkannte sie erst gar nicht, aber dann . . . Sie hat mir ja oft eigenhändig Süßigkeiten geschenkt . . .«
So redeten später die Diener.
Eine unerwartete, unvorhergesehene Tatsache: vor zweieinhalb Jahren hatte Anna Petrowna ihren Gatten verlassen und war mit einem italienischen Schauspieler fortgezogen; von dem Schauspieler im Stich gelassen, verließ sie die herrlichen Paläste Spaniens und eilte über die Pyrenäen, die Alpen, Tirol, mit dem Expreßzug zurück; was aber am wunderlichsten war: zweieinhalb Jahre durfte der Name Anna Petrowna in Anwesenheit des Senators nicht genannt werden, ja, noch vor zweieinhalb Tagen war er durchaus verpönt; zweieinhalb Jahre vermied der Senator jeden Gedanken an Anna Petrowna (trotzdem dachte er wohl an sie), und selbst bei einem zufälligen Zusammentreffen dieser Lautverbindung zog er verächtlich die Lippen zusammen. Warum war aber bei der Nachricht von ihrer Rückkehr an Stelle des verächtlichen Zuckens ein erregt zorniges Zittern des Kiefers getreten? Warum schlief er diese Nacht nicht? Warum war der Zorn im Laufe der zwölf Stunden allmählich gewichen und statt seiner stellte sich eine unruhevolle Sehnsucht ein? Warum hielt er es nicht aus und fuhr selbst ins Hotel; überredete sie, brachte sie selbst nach Hause? Was war dort im Hotelzimmer vorgefallen? — Auch Anna Petrowna hat ihr Vorhaben vergessen; das Vorhaben, das sich ihr gestern beim Besuch im lackierten Haus wieder fest eingeprägt hatte.
Sie hat ihr Vorhaben aufgegeben und ist zurückgekehrt.
Beide waren durch die Auseinandersetzung im Hotel erregt und verlegen; deswegen verzichteten beide auf irgendwelche Gefühlsäußerungen beim Eintritt in das lackierte Haus; Anna Petrowna sah von der Seite ihren Gatten an: Apollon Apollonowitsch schneuzte sich, dann räusperte er sich ein wenig. Anna Petrowna dankte herablassend auf die ehrfurchtsvollen Grüße der Dienerschaft; sie verhielt sich sehr reserviert; nur den alten Ssemjonytsch umarmte sie und — es sah aus, als möchte sie an seiner Schulter weinen; aber sie warf einen verlegenen, erschreckten Blick auf Apollon Apollonowitsch und überwand sich: sie griff nach dem Handtäschchen, doch holte sie das Taschentuch nicht vor.
Apollon Apollonowitsch, seiner Gattin ein paar Stufen voraus, warf den Lakaien strenge, befehlende Blicke zu; solche Blicke hatte er nur in Augenblicken der Verlegenheit; gewöhnlich benahm sich Apollon Apollonowitsch gegen die Dienerschaft mit verletzend ausgesuchter Höflichkeit und Kühle (die bekannten Scherze ausgenommen). Er behielt vor der Dienerschaft den Ton der Gleichgültigkeit: nichts ist geschehen, die gnädige Frau hat sich aus Gesundheitsgründen im Auslande aufgehalten, jetzt ist sie zurückgekehrt — nichts weiter . . . Also was ist dabei? Es ist alles in schönster Ordnung! . . .