Übrigens, einen Diener gab es (alle früheren außer Ssemjonytsch und dem Knaben Grischka sind inzwischen aus dem Hause fortgekommen), — dieser Diener erinnerte sich ganz genau, wie die gnädige Frau damals ins Ausland gereist war: der Dienerschaft war nichts gesagt worden; das ganze Gepäck hatte aus einer Handtasche bestanden (und das für die Zeit von zweieinhalb Jahren!); den Tag vor der Abreise hatte die Gnädige sich in ihren Gemächern eingesperrt gehalten; die vorherigen Tage aber war bei ihr immer der Schwarze mit dem Schnurrbart gesessen: wie hatte er nur geheißen — Mindalini (er hieß in Wirklichkeit Mantalini), — der immer die nichtrussischen Lieder gesungen hatte: »Tra—la—la . . . Tra—la—la . . .« Und der nie Trinkgeld gegeben hatte.
Dieser Lakai, der das alles in seiner Erinnerung hatte, küßte besonders ehrfurchtsvoll das erlauchte Händchen; sein Gewissen war durch die Schuld belastet, nicht die Einzelheiten der Flucht — d. h. der Abreise — aus seinem Gedächtnis weggewischt zu haben; er hatte die begründete Angst, daß mit dem Erscheinen der erlauchten Gnädigen seine Tage im lackierten Haus gezählt seien.
Sie sind im großen Salon; wie Spiegel blitzen die Quadrate des Parketts: während dieser zwei Jahre war hier nur selten geheizt worden; von der kalten Zimmerflucht ging immer eine undefinierbare Traurigkeit aus; Apollon Apollonowitsch war stets in seinem Zimmer hinter abgesperrter Tür gesessen; es hatte ihm immer geschienen, aus der Zimmerflucht würde ein Bekannter, ein Trauriger zu ihm hereinstürzen; jetzt stand er da und dachte: nun ist er nicht mehr allein; er wird nicht mehr allein über die Quadrate des Parketts schreiten, sondern mit . . . Anna Petrowna.
Er bot galant der Angekommenen den Arm und führte sie durch den großen Saal; Anna Petrowna blieb vor einer blaßtönigen Malerei stehen, wandte sich Apollon Apollonowitsch zu und lächelte:
»Ach das da . . . Erinnern Sie sich, Apollon Apollonowitsch?«
Sie schielte ein klein, klein wenig, wurde ein klein, klein wenig rot; zwei kornblumenblaue Augen versanken da in zwei andere, von Himmelsblau erfüllte; und — der Blick, der Blick; etwas Liebes, Gewesenes, Altes, — etwas, was die Menschen vergessen haben, was aber die Menschen seinerseits nie vergaß, was immer vor jeder Tür steht, dieses Etwas stellte sich plötzlich zwischen ihre Blicke; es war nicht in ihnen; es erwachte nicht in ihnen: es stand zwischen ihnen — als wäre es vom Frühlingswind hereingeweht worden. Der Leser verzeihe mir: ich will den Sinn dieser Blicke mit dem ganz banalen Wort bezeichnen: es war — Liebe.
»Gewiß doch . . .«
»Wo?«
»In Venedig . . .«