»Es sind dreißig Jahre seither vergangen! . . .«

Die Erinnerung an einen im Nebel schimmernden Kanal tauchte in ihm auf, an eine Arie, die seufzend aus der Ferne klang: dreißig Jahre sind seither vergangen. Auch sie wurde von der Erinnerung an Venedig erfaßt; diese Erinnerung spaltete sich aber: vor dreißig Jahren und — vor zweieinhalb Jahren; sie errötete: sie hatte ja diese Erinnerung zu verdrängen gesucht; nun trat eine andere auf: Kolenka. Sie hatte in den letzten zwei Stunden nicht an Kolenka gedacht; das Gespräch mit dem Senator hatte alles andere für einige Zeit beiseite geschoben; vor diesen letzten zwei Stunden hatte sie doch nur an Kolenka gedacht, voll Zärtlichkeit, voll Zärtlichkeit und Kränkung: Kolenka hatte nichts von sich hören lassen, keine Nachricht gegeben.

»Kolenka . . .«

Sie traten in den Salon ein: überall Nippessachen, Metall- und Perlmutterinkrustationen, Bronzen.

»Kolenka geht es gut, Anna Petrowna . . . er befindet sich ganz wohl . . .« Der Senator machte ein paar eilige Schritte seitwärts.

»Ist er zu Hause?«

Apollon Apollonowitsch, der sich gerade in einen Empiresessel niedergelassen hatte, erhob sich etwas widerwillig und drückte den Knopf der elektrischen Glocke.

»Warum kam er nicht zu mir?«

»Er ist, Anna Petrowna . . . mmä—mmä . . . Er war . . . sehr . . .« — der Senator wurde seltsam verworren, dann zog er sein Taschentuch hervor, schneuzte sich lange mit sonderbaren Trompetenlauten; dann räusperte er sich ein wenig und steckte sehr langsam das Taschentuch wieder in die Tasche:

»Ja, er hatte sich sehr gefreut . . .«