Ein kraftloser Froschausdruck erschien auf seinem Gesichte.
»Sie sind heute in Gala?«
Finger berührten Finger und sprangen zurück. Apollon Apollonowitsch wollte, schien es, den Grund seiner feierlichen Ausstattung erklären; auch wollte er nach der Ursache der unnatürlichen Blässe des Sohnes fragen wie seines Erscheinens in so ungewohnter Stunde. Die angefangenen Worte blieben ihm jedoch in der Kehle stecken und gingen in ein Husten über. In diesem Augenblick meldete der eintretende Diener, daß der Wagen warte. Gleichsam erfreut winkte Apollon Apollonowitsch dankbar dem Lakai zu:
»So—o, schön.«
Apollon Apollonowitsch, ganz Schauer und Glanz, rauschte an seinem Sohn vorbei; bald verklangen seine Schritte in der Ferne. —
Nikolai Apollonowitsch spähte seinem Vater nach; auf seinem übernächtigen Gesichte erschien wieder ein Lächeln: der Abgrund hatte sich vom Abgrund abgewandt; der Luftzug wehte nicht mehr. Nikolai Apollonowitsch Ableuchow dachte an das letzte Zirkular des Apollon Apollonowitsch, das im vollständigen Gegensatz zu seinen eigenen Plänen stand; Nikolai Apollonowitsch kam zu dem Schluß, daß sein Vater, Apollon Apollonowitsch, ganz einfach — ein ausgemachter Schuft war.
Auf dem Meeting
Nach dem naßkalten Schmutz der ersten Oktobertage badeten eines Tages die Petersburger Dächer, die Petersburger Spitzen, die Petersburger Kuppeln im blendenden Glanz der Oktobersonne. Engel Peri blieb an diesem Tag allein; der Gatte war abwesend; er verwaltete — irgendwo dort — den Proviant; der unfrisierte Engel schwebte in seinem rosa Kimono zwischen den Vasen mit Chrysanthemen und dem Berg Fujiyama. Die Falten des Kimonos flatterten wie Atlasflügel, und der besagte Engel biß unter der Hypnose eines Gedankens bald sein Taschentüchlein, bald das Ende des schwarzen Zopfes. Nikolai Apollonowitsch blieb natürlich nach wie vor der schuftigste Schuft, aber auch der Zeitungsreporter Neintelpfein — so einer! — war auch — ein Vieh. Die Gefühle des Engels waren bis zum Äußersten aufgewühlt.
Um ein wenig die aufgewühlten Gefühle ins Gleichgewicht zu balancieren, kauerte sich Engel Peri mit untergeschlagenen Beinen auf ihre Chaiselongue hin und schlug das Büchlein von: Henri Besançon »Der Mensch und sein Körper« auf. Dieses Büchlein hatte Engel Peri schon des öfteren aufgeschlagen, aber . . . (und noch einmal aber): das Büchlein fiel ihr jedesmal aus den Händen, die Augen schlossen sich im Nu, im kleinen Näschen entstand ein stürmisches Leben: es pfiff darin und schnaufte.
Nein, heute wird sie nicht einschlafen: Baronin R. R. hatte sich schon einmal nach dem Büchlein erkundigt; als sie hörte, daß es bereits gelesen ist, fragte sie schelmisch: »Na, und was meinen Sie dazu, ma chère?« Aber »ma chère« erwiderte gar nichts; und Baronin R. R. drohte ihr mit dem Fingerchen: Doch nicht umsonst hatte sie auf die Titelseite des Büchleins geschrieben: »meiner devanchanischen Freundin« und als Unterschrift: »Baronin R. R. — eine irdische Hülle, doch mit buddhistischen Funken.«