»Ich will Ihnen in dem letzten Punkte entgegenkommen, aber glauben Sie mir, Sie begehen eine Dummheit. Sie werden selbst noch mit den Gewehren zu rechnen haben, die Sie den exaltierten Menschen lassen wollen.«

»Und Paris soll nicht verschont bleiben vor dem Schmerz einer Invasion Ihrer Truppen?«

»Ich würde Ihnen auch hier ein Zugeständnis zu machen bereit sein,« sprach der Kanzler, »aber der König und die Generale bestehen darauf. Das ist die Belohnung für unsere Armee. Wenn ich nach der Rückkehr in die Heimat einem armen Teufel mit einem Stelzfuß begegnen werde, dann wird er sagen: Das Bein, das ich vor den Mauern von Paris gelassen habe, gab mir das Recht, meine Eroberung zu vervollständigen; dieser Diplomat, der im Besitze seiner gesunden Gliedmaßen ist, hat mich daran verhindert. – Wir können uns dem nicht aussetzen, in diesem Punkte das öffentliche Gefühl zu verletzen. Wir werden in Paris einziehen, aber nicht über die Elyséischen Felder hinausgehen, und dort die Ereignisse abwarten. Wir werden auch den 60 Bataillonen der Nationalgarde, welche zuerst gebildet wurden und Sinn für Ordnung haben, die Waffen belassen.«

»Und wir dürfen wohl annehmen, daß in den abzuschließenden Waffenstillstand auch die von Garibaldi zu unserer Unterstützung herbeigeführte Armee eingeschlossen werde?«

In das Antlitz Bismarcks stieg eine wärmere Röte, sein ernstes Auge blitzte auf.

»Diese Truppen sind für uns keine völkerrechtlich anerkannte Heeresmacht; das sind Banden, die unter die Kategorie Ihrer Freischärler fallen, mit ihnen werden wir nicht paktieren. Haben wir uns auch veranlaßt gesehen, uns mit ihnen zu schlagen, so mag man uns doch nicht zumuten, durch ein solches Zugeständnis ihnen eine Berechtigung zuzuerkennen, sich in den Streit zweier großen Nationen zu mischen.«

Der gewaltige Recke war in heftige und zornige Erregung gekommen, und der Graf d’Hérisson, der ein schweigender Zeuge dieser ganzen Szene war, gedachte jetzt der Äußerung, welche Bismarck vorher getan. Mit einem raschen, kühnen Entschlusse faßte er den auf dem Tisch stehenden kleinen Teller mit Zigarren und bot mit einer ehrerbietigen Verbeugung dieselben dem Kanzler dar. Einen Augenblick sah ihn Bismarck einigermaßen erstaunt an, dann flog ein Schimmer von Verständnis über sein Gesicht, wie ein leichtes Lächeln spielte es um seinen Mund, und er sagte:

»Sie haben recht, Kapitän, es führt zu nichts, sich zu ereifern … im Gegenteil!«

Und als Jules Favre mit erneuter Wärme sich für den Waffenstillstand mit Garibaldi verwendete, wurde ihm derselbe auch tatsächlich noch zugestanden.

Die Verhandlungen dauerten auch in den nächsten Tagen noch fort. Am Abend des 26. Januar aber fuhr der kaiserlich französische Wagen mit dem abgekratzten Wappen wieder vor dem Hause in der Rue de Provence vor, und in verbindlicher Weise geleitete Bismarck seine Gäste zu demselben. Die stattliche, stolze Gestalt in der Kürassieruniform sah achtungsgebietend aus neben der etwas zusammengebeugten hageren und schlotterigen Erscheinung des Pariser Advokaten, dem der Kanzler freundlich die Hand reichte. Ein Mitgefühl erfaßte ihn für den Mann, der doch auch im Dienste seines Volkes und seiner Heimat unter den mißlichsten Verhältnissen wirkte, und er sprach: