»Ich bedaure, aus der mir unverständlichen Äußerung, welche Sie soeben getan, entnehmen zu müssen, daß ich des Französischen nicht so mächtig bin, als es wünschenswert wäre, um unsere Verhandlungen in französischer Sprache fortsetzen zu können. Wir werden uns deshalb der deutschen Sprache bedienen müssen, um so mehr, da ich keinen Grund erkennen kann, weshalb wir dies nicht von Anfang an getan haben. Ich werde mir gestatten, die von uns gestellten Bedingungen des Friedens noch einmal zusammenzufassen.«
Während er das letztere tat, saß Thiers zusammengesunken in seinem Stuhle, Favre aber war aufgesprungen, mit erregten Händen durch das graue Haar gefahren, dann eilte er nach einer Ecke des Gemaches und drückte sein Haupt an die Wand.
Endlich faßte sich Thiers. Ein Zug des Unmuts ging über sein Gesicht, dann erhob er sich, trat an einen anderen Tisch, ergriff hastig die Feder und schrieb einiges nieder auf ein Blatt Papier, welches er nun Bismarck reichte.
»Ist es das, was Sie wünschen?« fragte er mit vor Erregung heiserer Stimme.
Bismarck warf einen Blick auf das Geschriebene, ein verbindliches Lächeln huschte über seine ernsten Züge, und indem er sich langsam in seinen Sessel niederließ, sprach er:
»Auf dieser Grundlage können wir die Verhandlungen auch in französischer Sprache wieder aufnehmen.«
Aufs neue begann Thiers wegen Belfort zu unterhandeln mit dem Aufgebot seines ganzen Patriotismus, mit seiner wärmsten Beredtsamkeit, aber der Kanzler blieb auch jetzt voll höflicher Festigkeit, und tiefatmend sagte der Franzose:
»Nun denn – Sie wollen, daß wir durch das Joch gehen, und unsere ganze Unterhandlung ist leerer Schein. Belfort ist eine rein französische Stadt; wollen Sie uns dieselbe nehmen, so heißt das einen Vernichtungskrieg gegen Frankreich führen. Nun gut, führen Sie ihn – wir aber werden Sie bis zum letzten Atemzug bekämpfen, wir werden vielleicht erliegen, aber nicht entehrt sein!«
Das leidenschaftliche Pathos des Franzosen hatte etwas Erschütterndes, und selbst Bismarck empfand dies. Er versicherte sich der Genehmigung seines Kaisers und Königs, dann ließ er den Abgeordneten Frankreichs die Wahl, ob sie Belfort behalten oder sich den Einmarsch deutscher Truppen in ihre Hauptstadt, gegen welchen sie gleichfalls remonstrierten, gefallen lassen wollten. Sie zogen das letztere vor.
Ein Sonntag war es, der 28. Februar, als der Friedensvertrag in Versailles unterzeichnet wurde in Gegenwart der Vertreter Bayerns, Württembergs und Badens. Die goldene Feder des Pforzheimer Fabrikanten fand die ihr zugedachte Verwendung. Tiefes, ehrfurchtsvolles Schweigen, wie es dem Unglück gegenüber geboten war, herrschte in dem Raume, als Adolf Thiers sich niederbeugte auf das bedeutsame Dokument. In den Augen des greisen französischen Staatsmannes schimmerte es feucht, als er wieder aufsah, Bismarck aber war an ihn herangetreten, und indem er ihm herzlich die Hand reichte, sprach er: