»Sie sind der letzte, welchem Frankreich diesen Schmerz hätte auferlegen sollen, denn Sie unter allen Franzosen haben ihn am wenigsten verdient.«
Der 1. März war angebrochen, und um die Mittagszeit dieses Tages hatte Paris ein Schauspiel, das seine Bewohner mächtig erregte und ergrimmte.
Durch den Arc de Triomphe, den Siegesbogen, zogen die deutschen Truppen in Frankreichs Hauptstadt ein. Ein herrliches, erhebendes Bewußtsein erfüllte die Brust der Braven, die hier endlich die Genugtuung hatten, daß die Schmach gebüßt sei, die Frankreich zu Anfang des Jahrhunderts ihren Vorfahren angetan. Stramm und kraftvoll marschierten die Kolonnen, donnerndes Hurrarufen durchbrauste die Luft, die Waffen glänzten, die Helme blinkten, und stumm, mit mühsam verhaltenem Groll stand das Volk von Frankreich in den Straßen und schaute auf die Sieger. Da ritt eine mächtige Gestalt heran in der Uniform der Kürassiere, das Eiserne Kreuz auf der Brust. Unter dem Stahlhelm blitzten ernst und scharf die Augen umher, und wie aus Erz gegossen saß der Recke im Sattel.
Ein Murmeln und Murren ging durch die Neugierigen: »Da ist Bismarck!«
Die rückwärts Stehenden reckten sich höher, die Augen wurden finsterer und drohend, der Kanzler aber sah hinein in die wogende Menge, ruhig und kühl, wandte dann sein Roß herum und beugte sich herab zu einem Manne, der ihn mit feindlicher Gehässigkeit anstarrte.
»Monsieur, darf ich Sie um etwas Feuer für meine Zigarre bitten?« sprach er mit Liebenswürdigkeit, und der Angesprochene war so verblüfft, daß er mit französischer Gefälligkeit dem Wunsche des Reiters entsprach. – –
Nur wenige Tage noch weilte der Kanzler auf dem Boden von Frankreich; am 6. März reiste er mit seinem König nach der Heimat zurück, das Herz erfüllt von Sehnsucht nach den Seinen. Und als in den Morgenstunden des 9. März der Zug in Berlin einfuhr, stand er schon am Fenster des Kupees, und schaute hinaus nach den teuren Gesichtern. Und da standen sie, die er suchte: die geliebte Frau, die herzige Tochter, und zwischen beiden Graf Herbert in der Uniform mit dem Eisernen Kreuz. Nach wenigen Sekunden war er bei ihnen.
»Da habt ihr euren Ollen wieder!«
Das war das humorvolle Wort, in dem er die gewaltige freudige Bewegung seiner Seele verhüllte, als er seine Lieben umarmte.
Am nächsten Tage war er bereits wieder in Frankfurt a. M. Hier fand die große Tragödie des gewaltigen Krieges ihren endgültigen Abschluß durch Unterzeichnung des Friedensvertrages. Die alte, stolze Stadt hatte sich festlich geschmückt, und durch ihre Straßen wogte eine freudig bewegte Menge.