»Das soll gelten, – die Herren sind Zeugen!«

So lebte in der stolzen, starken Jünglingsseele die Ahnung der großen kommenden Zeit, die freilich im Jahre 1853 noch nicht anbrechen sollte. Bismarck aber hat die Wette nicht vergessen und hätte sie seinerzeit auch eingelöst, wenn der Tod nicht vordem schon seinen Partner abgerufen hätte.

Ei, wie dem flotten Burschen die Tage dahinflogen im freundlichen Göttingen, so daß er beinahe gar nicht dazu kommen konnte, die Kollegien zu besuchen, weil er alle Hände voll zu tun hatte, mit anderen Dingen! Sein Name galt etwas in Studentenkreisen, und er hatte seinen Ruf nicht bloß auf dem Paukboden, sondern auch durch sein Geschick, Gegensätze auszugleichen und diplomatisch zu vermitteln, erworben.

Es war an einem kalten Januartage des Jahres 1833, als vor Göttingen draußen in einem Wäldchen sich einige junge Leute einfanden zu einem, wie es schien, recht ernsten Geschäft. Am Abend vorher war ein englischer Student, Knight, auf einem Balle von dem jungen Baron von Grabow beleidigt worden. Die Sache war an sich nicht von Belang, aber die Gegner waren hitzig geworden und hatten sich auf Pistolen gefordert. Und nun standen sie an dem klaren, kalten Wintermorgen da, um die Sache auszutragen.

Bismarck war mit Knight herausgefahren, um diesem als Dolmetsch zur Seite zu stehen. Da es aber an einem Unparteiischen fehlte, war er gern bereit, das Amt zu übernehmen. Die Sekundanten hatten die Waffen geladen, der Arzt stand seitwärts vor seinem aufgeschlagenen Verbandskasten, und auf allen Gesichtern lag schwerer Ernst, denn die Duellanten hatten nur drei Schritt Barriere verabredet.

Da sagte Bismarck:

»Meine Herren, Ihre Ausmachung bedeutet nicht mehr ein Duell, sondern einen Mord. Dazu gebe ich meine Hand nicht! Die Sache, um deretwillen Sie sich hier gegenüberstehen, ist, wie ich nicht zweifle, auf ein unseliges Mißverständnis zurückzuführen, und nicht derart, daß darüber zwei Menschenleben mit beinahe absoluter Sicherheit aufs Spiel gesetzt werden. Ich meine, der Ehre ist auch völlig genügt, wenn Sie zehn Schritte Abstand nehmen. Und nur für diesen Fall fungiere ich als Unparteiischer.«

Die Duellanten erklärten sich einverstanden.

Bismarck schritt die Entfernung mit weitausgreifenden Schritten ab und fügte noch zwei Schritte zu. Dann trat er an den Arzt heran, um diesen von der Eigenmächtigkeit zu verständigen – und nun mußten die Dinge ihren Lauf nehmen. Bismarck kommandierte, die Schüsse krachten gleichzeitig, – eine Sekunde lang stand jedem der Herzschlag still, – dann zog sich der bläuliche Rauch verschwimmend in die Morgenluft, und die Kugeln saßen irgendwo in zwei Baumstämmen. Blut ist bei jenem Zweikampf nicht geflossen.

Ruchbar ward die Sache aber trotzdem, und der Studiosus Bismarck erhielt zehn Tage Karzerstrafe, die er mit stoischem Behagen absaß, wobei er nicht versäumte, sich in die Präsenzliste einzuzeichnen, indem er seinen Namen in die Karzertür schnitt.