Nicht gar lange danach fühlte er eines Morgens ein seltsam Mißbehagen in seinen Gliedern. Das war ein Ziehen und Frösteln, so ganz anders als nach lustig durchlebter Nacht, und er fand, daß es doch vielleicht gut wäre, einen Medikus zu Rate zu ziehen. Der Arzt konstatierte Wechselfieber, und so lag er einige Tage zu Bette, verstimmt, gelangweilt, appetitlos, und versuchte unmutig ab und zu etwas von dem verschriebenen Chinin einzunehmen.

Da kam eines Morgens eine Sendung aus Pommern. Ein köstlicher Duft stieg aus der geöffneten Kiste, und der Patient begann mit zunehmendem Interesse die Herrlichkeiten auszupacken, welche mütterliche Liebe und Sorgfalt ihm hatte zugehen lassen. Neben den berühmten pommerschen Gänsebrüsten lachte ein saftiger bräunlicher Schinken, und behagliche Würste streckten ihre glänzenden Glieder dazwischen.

Ein Gruß aus der Heimat! Na, ein Stückchen Wurst wird auch bei Fieber nicht schaden! Die Mettwurst ist so saftig und würzig, und es ist ganz wunderbar, wie einem der Appetit beim Essen kommt. Der Kranke schneidet eine Scheibe nach der anderen herunter, und erst, als eines der kleinen Ungetüme, die ihre drei bis vier Pfund wiegen mochten, zur Hälfte verschwunden war, stellte Bismarck seine Tätigkeit ein. Dabei war ihm so wohl, wie seit einigen Tagen nicht, und der Arzt sah, als er kam, mit freudiger Verwunderung seinen Patienten.

»Da hat das Chinin wieder einmal sein Wunder getan!« sagte er mit Genugtuung; Bismarck aber sprach:

»Ich habe ein Mittel genommen, das mir noch wirksamer scheint. Recipe: Jede Stunde ein halb Pfund pommersche Mettwurst; ’s ist probat, lieber Doktor!«

Der Arzt sah mit verwundert großen Augen die geöffnete pommersche Kiste und »was Arbeit unser Held gemacht.«

Zu Michaelis ging’s nach Kniephof. Drei Semester waren verlebt an der Georgia Augusta. Da saß er wieder in dem kleinen pommerschen Herrenhause und sah hinaus auf die bewegten Wipfel im Parke und blies aus der langen Pfeife vergnüglich seine Rauchwolken. Die Frau Mama schaute ihn mit Liebe und Sorge zugleich an und schien von Göttingen ein wenig enttäuscht. Die kleine Schmarre auf der Wange – sie stammte von der abgesprungenen Klinge eines Gegners – die bunten Pfeifentroddeln, die Cerevis schienen ihr verwunderliche Geschichten zu erzählen, und sie wollte ihren Jüngsten von nun ab etwas mehr in ihrer Obhut wissen!

So kam es, daß Otto von Bismarck nicht nach Göttingen zurückging, sondern noch drei Semester an der Berliner Hochschule verbrachte. Es ging auch hier eine Zeitlang flott und lustig weiter, und das »Gaudeamus!« klang in der preußischen Residenz nicht minder frisch und froh als in Göttingen.

Eines Abends trat er bei seinem Freunde, dem jungen Grafen Kaiserlingk, ein.

»Wie ist’s – gehst du mit zur Kneipe?« fragte er.