»Heute bin ich nicht in der Stimmung, und denke mich darum in meinen vier Pfählen behaglich einzurichten. Bleib da, Bismarck, an »Stoff« soll’s auch hier nicht fehlen, und meine Pfeifen stehen dir zur Verfügung.«

»Soll gelten – das Wetter ist jetzt verlockend zum Daheimsitzen – höre, wie der Wind um die Fenster saust. – Ah, da ist auch Motley« – unterbrach er sich, als ein junger, blonder Mann eintrat, den die beiden anderen herzlich begrüßten – »na, tres faciunt collegium

Er streckte sich behaglich auf dem Sofa und bat: »Aber nun mußt du unser Konvivium auch stimmungsvoll einleiten, Kaiserlingk!«

Der junge Graf setzte sich an das Instrument, und das sang und klang durch den Raum, als webe eine Geisterschar an einem Märchen; bald weich und melodisch, bald wild bewegt wie ein aufgeregtes Gemüt – klang es aus den Saiten, und der große Beethoven hatte das Wort! Und auf dem Sofa saß der wilde, flotte Bursche und hatte sich in die Ecke gelehnt und den Kopf in die Hand gestemmt. Als der letzte Ton verklungen, sagte er:

»Sehr schön, Kaiserlingk! – das kann böse Geister bannen, und mir ist, als verstehe ich jetzt erst die Geschichte von Saul und David. Heute taugte ich überhaupt nicht mehr für die Kneipe. Motley, haben Sie nicht einen Ihrer geistvollen geschichtlichen Aufsätze bei sich, es wäre köstlich, wenn Sie uns was mitteilen wollten.«

»Wenn es gewünscht wird, kann ich etwas holen« – sagte der junge Engländer, der in demselben Hause wohnte, und ging. Als er zurückkehrte, hatten sich noch zwei junge Gäste eingefunden, und nun wurde der Abend in der anregendsten Weise verlebt. Es war spät geworden, als Bismarck bat: »Kaiserlingk, nun noch etwas zur guten Nacht!«

Und der junge Graf griff noch einmal in die Tasten, und der bestrickende Zauber der »Mondscheinsonate« nahm die jungen Gemüter gefangen.

»Kinder,« sagte Bismarck, »solch ein Abend gibt einem ordentlich eine Sehnsucht nach dem Philistertum; lacht mich aus, wenn ihr wollt – aber von morgen an werde ich solide und verlege mich aufs Arbeiten. Und das hat mit ihrem Singen die Loreley getan! Gute Nacht!«

Und in der Tat legte er sich ins Zeug, um das in der flotten Burschenzeit Versäumte nachzuholen. Um die Osterzeit des Jahres 1835 kam er eines Tages in das Haus seiner Tante, der Generalin von Kessel, und wurde hier, wie immer, von seinen Cousinen heiter und herzlich begrüßt.

»Na, heute bitte ich mir etwas Respekt aus! Seht ihr mir nichts an?«