Neugierig und lachend betrachteten ihn die jungen Damen von allen Seiten.
»Was soll denn aus dir wohl werden, so über Nacht?«
»Ja, das Raten ist nicht eure starke Seite! Da will ich’s euch sagen. Ich habe vorgestern mein Staatsexamen gemacht und bin als Auskultator für das Stadtgericht vereidigt worden!«
»Ah! – Gratuliere! – Aber ansehen kann man dir die Würde nicht!« rief es durcheinander, doch Fräulein Helene, die als Künstlerin sehr tüchtig war, rief:
»Diese Phase seines Lebens muß festgehalten werden! Otto, ich male dich als Auskultator!«
»Kann mir nur schmeichelhaft sein! Da weiß man später doch einmal, wie man als neugebackener Philister ausgesehen hat.«
Da trat Bernhard von Bismarck ein, der gleichfalls in Berlin als Referendar tätig war, und der mit Otto zusammenwohnte.
»Ich habe mir’s gleich gedacht, daß er bei Euch stecken wird« – rief er; »jetzt, da er in Amt und Würde ist, sucht er freundliche Häuslichkeiten mit heiratsfähigen Töchtern!«
»Aber Bernd« – riefen die Damen entrüstet.
»Freut euch doch, daß die Zeit vorüber ist, in welcher er jungen Damen die Fenster einzuwerfen pflegte.«