Es waren drei hochragende, prächtige Gestalten, welche durch die belebten Gassen schritten nach der Behrenstraße zu; ehe sie aber dieselbe erreichten, kreuzte ein junger Mann von gleichfalls auffälliger Statur ihren Weg. Er zog überrascht den Hut, und der Jüngste von den dreien rief lebhaft:

»Schenk! – Du bist hier?«

Eine herzliche Begrüßung der Freunde folgte, und bald gingen sie, nachdem sie sich von den beiden anderen verabschiedet hatten, zusammen auf den Bürgersteig hin, und betraten endlich ein Weinhaus, wo sie in einer abgelegenen Ecke sich niederließen. Der Kellner brachte Wein, leise klangen die Gläser zusammen, und Wilhelm von Schenk sagte: »Nun weißt du meine Erlebnisse, lieber Bismarck, jetzt laß mich hören, wie es dir gegangen ist, seitdem du nach Aachen übergesiedelt warst.« Der andere sprach:

»In Aachen habe ich nicht lange ausgehalten. Ich kam beinahe wieder in die alte Burschenherrlichkeit hinein, und das wollte mir nicht passen. Ich hatte das Bewußtsein, daß mein preußisches Beamtentum mir dort mit Grundeis gehe, und das wollt’ ich nicht. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, redlich zu arbeiten im Dienste des Vaterlandes, und so wurde ich auf mein Ansuchen im Herbste 1837 nach Potsdam versetzt, wo der Geheimrat Wilke mir Pünktlichkeit und Strammheit im Dienste angewöhnte. Die konnte ich auch ganz gut brauchen, als ich im nächsten Frühling des Königs Rock anzog und bei den Potsdamer Gardejägern als Einjährig-Freiwilliger die Anfangsgründe der Kriegskunst exerzierte. Das habe ich so ein halbes Jahr getrieben. Dann ließ ich mich zum 2. pommerischen Jägerbataillon in Greifswald versetzen. Da war ich Soldat und Student zugleich und hörte in Eldena landwirtschaftliche Vorlesungen, denn in dem Hintergrunde der nächsten Zeit lag bereits die Aussicht, einen Teil unserer Güter übernehmen und Landwirt werden zu müssen. Es gab so manches gutzumachen und in die Höhe zu bringen – na, wie das eben so geht. Ostern 1839 war ich denn auch wieder in Kniephof. Meine Eltern zogen sich nach Schönhausen zurück, und Bernhard und ich übernahmen die pommerischen Güter, so zwar, daß mir Jarchelin und Kniephof und meinem Bruder Külz zukam. Es fiel mir aber gleich in den Anfang dieser selbständigen Tätigkeit ein trüber Schatten – du weißt wohl – –«

»Ich weiß, deine treffliche Mutter ist voriges Jahr gestorben – nimm noch die Versicherung meiner herzlichen Teilnahme! Sie war eine ausgezeichnete Frau!«

Eis. Kanzler II.

Friedrich Wilhelm IV. und Bismarck.

»Ja, sie war »Verstand des Hauses«, und uns war sie noch mehr. Nun sitzt mein Vater ernst und trüb in Schönhausen, und Malwine sucht ihn zu erheitern, so gut das gehen will. Ich aber habe den Diplomaten an den Nagel gehängt und baue meinen Kohl!«

»Und wenn das Vaterland ruft, bist du doch da!«