»Das ist selbstverständlich. War das nicht herzerhebend heute, wie alle die Tausende dem König die Versicherung ihrer Treue gaben? Mir ist mein »Ja« aus vollem Herzen gekommen – laß uns anstoßen: Dem Vaterlande die ganze Kraft!«

Die Gläser klangen hell und voll, und die Augen der beiden jungen Männer leuchteten. Sie saßen noch eine Weile beisammen und tauschten alte Erinnerungen, dann erhob sich Bismarck:

»Mein Aufenthalt in Berlin ist knapp bemessen, so daß wir uns hier kaum noch einmal sehen. Aber wenn dich dein Weg ins Pommernland führt, so erinnere dich, daß Otto von Bismarck auf Kniephof bei Naugard sitzt und seinen Freunden dankbar ist, wenn sie ihm die Gelegenheit geben, sie zu bewirten!«

Kurze Zeit darauf saß er wieder in seinem schlichten Herrenhause. Mit Scharfblick und Tatkraft erfaßte er die Verhältnisse und suchte nach allen Kräften zu bessern. Am frühen Morgen schon war er im Sattel und ritt durch die Felder, um nach dem Rechten zu sehen, oder bei erfahrenen Nachbarn Rat zu erholen, und daheim machte er sich über seine Wirtschaftsbücher und brachte Klarheit und Ordnung in die Verwaltung seines Besitztums. Im dämmernden Abendschein schritt er durch den Park, begleitet von seiner Dogge, und manchmal kamen ihm recht wunderliche Gedanken, und ein stürmischer Tatendrang wollte ihn erfassen und in die Welt treiben.

An einem solchen Abend kam er unmutig herein in seine vereinsamten, stillen Räume. Die Bücher, welche er sonst in diesen Stunden zur Hand nahm, wollten ihm heute nicht gefallen, die Pfeife war ihm ausgegangen, und mit weitausgreifenden Schritten ging er durch die Wohnräume seines Kniephof. Da blieb er vor einem Bilde stehen. Es war ein alter preußischer Reiteroberst, der da aus dem Rahmen auf ihn herunterschaute, sein Urgroßvater, Herr Friedrich August von Bismarck, dem weiland in der Czaslauer Schlacht eine Kugel zwischen Leib und Seele gefahren war. –

»Ein ganzer Mann, dieser alte Herr! Das Leben genießen und dann einen fröhlichen Reitertod sterben fürs Vaterland – das muß schön sein! Ich glaube, in mir steckt etwas von dem »tollen Bismarck«, und ein lustig Reiten, ein fröhlich Zechen tut mir wieder einmal not, wenn ich nicht versauern soll. Dabei braucht man nicht zu verderben! Morgen geht’s einmal ins Weite!«

So sprach er zu sich selber, und wie er wieder nach seinem Zimmer zurückschritt, sah er seine Pistolen an der Wand hängen. Er nahm sie herab.

»Ich muß mir Luft schaffen!« rief er, wie einstens in der Behrenstraße 53 im Zimmer seines Bruders, und gleich darauf krachten die Schüsse und schlugen in die Decke, daß Kalk und Mörtel splitterten.

Am anderen Morgen ließ er sein Pferd satteln und brauste fort, »daß Kies und Funken stoben«. Er hatte sich erinnert, daß in Kollin bei Stargard an diesem Abend eine vergnügte Gesellschaft beisammen sei, und wenn es bis dahin auch etwa 14 Meilen waren, er wollte zeigen, was ein tüchtiger Reiter und ein gutes Pferd leisten können.

In Wangerin hielt er Mittagsrast. Am Tische neben ihm saß ein junger Mann, der sich ihm als Weinreisenden vorstellte und seine Ware anpries. Bismarck verlangte, daß er ihm Proben vorführe, und der andere brachte, was er bei sich hatte.