Als der Hochzeitslärm und die Festlust verrauscht war, blieb er noch bei dem alten Herrn zurück. Sie gingen täglich zusammen durch den Park und nach der Schäferei, widmeten sich gemeinsam der Beobachtung der Thermometer und bemühten sich gleich weiland Karl V. die Uhren im Herrenhause in Übereinstimmung zu bringen. Endlich mußte er aber doch daran denken, wieder nach Kniephof zu gehen. Beim Abschied von Schönhausen band er dem Inspektor Bellin und seiner Frau es dringendst auf die Seele, recht gut für den alten Herrn zu sorgen, eine Mahnung, welche die kleine, wackere Frau beinahe als Beleidigung hätte ansehen dürfen.
Nicht lange danach gab es eine zweite Hochzeitsfeier, auf dem pommerschen Herrensitze Triglaff, wo Bismarcks liebster Freund, Moritz von Blankenburg, mit der Tochter des Hauses sich vermählte. Es war ein vergnügtes Fest, und die Zahl der Gäste eine große. Unter den Brautjungfern aber befand sich ein anmutiges Edelfräulein, einfach und doch gewinnend in ihrem ganzen Wesen, und als Bismarck ihr vorgestellt wurde, hatte er ein eigentümlich wonniges Empfinden. Das Mädchen mit den blauen Augen, Johanna von Puttkamer, hatte es ihm von der ersten Begegnung ab angetan.
»Sie ist die einzige Tochter von Jakob von Puttkamer; seine Frau ist eine geborene von Glasenapp, und sie sitzen auf Reinfeld,« hatte Blankenburg ihm gesagt, und ein anderer Freund fügte bei:
»Da geht’s anders zu als auf Ihrem Kniephof, lieber Bismarck. Da gibt’s keine tollen Wetten, keine wilden Jagden und kein Porter-Sekt-Gemisch aus Ochsenhörnern, da ist alles fein ehrsam und sittsam, ruhig und fromm. Ihr singt »Freut euch des Lebens«, und auf Reinfeld werden nur Choräle gesungen. Also sehen Sie dem Fräulein von Puttkamer nicht zu tief in die Augen!«
Aber Bismarck tat, wie es ihm paßte, und als er abends im Garten zu Triglaff neben dem anmutigen Mädchen saß und mit ihr plauderte, da war ihm das ganze Feuerwerk gleichgültig geworden, welches dem jungen Paare zu Ehren losgebrannt wurde. Die Stimmung war bei allen eine froherregte: Die spielenden Lichter, die rollenden Feuersonnen, die aufzuckenden Strahlengarben, welche in die Abenddämmerung hineinglühten, erhöhten dieselbe, und Scherze und heitere Zurufe gingen hin und her. –
Da sauste zischend eine Rakete empor, den funkelnden Schweif nach sich ziehend, und aller Augen folgten. In demselben Moment erhob sich ein stärkerer Windstoß, welcher das Geschoß seitwärts trieb gegen den Wirtschaftshof. Dort fiel es auf ein Strohdach nieder, und nach wenigen Minuten loderte daraus eine Flamme empor, welche nichts weniger als programmgemäß war. Der Wind machte die Sache noch gefährlicher. Angstrufe erschollen, Verwirrung kam unter die Gäste, die Dienerschaft und die Dorfleute liefen davon, und die glühende Lohe schlug bereits hoch empor und schwelte hinüber nach einem Nachbargebäude.
Bismarck verlor keinen Augenblick seine Besonnenheit. Er eilte nach dem Stalle, wo er mit der neuvermählten Frau von Blankenburg zusammentraf, welche, beseelt von gleicher Energie, ihm half, die Pferde herauszuholen und vor einen Wasserwagen zu spannen, und gleich darauf jagte der junge Edelmann die Rosse nach der Brandstätte zu und brachte hier mit seinem bestimmten Wesen, mit seiner sicheren Klarheit Ordnung in die Löschanstalten. Das Feuer aber griff trotzdem rasch um sich, und am Morgen beleuchtete die aufgehende Sonne die rauchenden Trümmer auf dem Gutshofe wie im Dorfe selbst.
Als Bismarck von Triglaff schied, sagte ihm der alte Herr von Thadden:
»Ich glaube, lieber Freund, es hat gestern zweimal gebrannt auf Triglaff, und der zweite Brand wird sich wohl nicht wieder löschen lassen. Na, Sie wissen wenigstens, wo die Brandstifterin wohnt und können sie auf Reinfeld zur Rechenschaft ziehen. Viel Glück dazu!«
Die Worte sangen und klangen dem jungen Edelmann noch lange in den Ohren, und wenn er daran dachte, mußte er still vor sich hinlächeln.