Der Winter ging, und der Frühling kam, und der junge Gutsherr hatte alle Hände voll zu tun mit seiner Landwirtschaft, dazwischen brach wohl auch einmal die alte, stürmische Lust, in die Welt zu jagen, sich Bahn. Das Gefühl einer gewissen Vereinsamung überkam ihn manchmal auf seinem Kniephof, und er strich dann freundlicher über den Kopf Odins, seines Hundes, der ihm ein treuer Begleiter war.
Das Jahr sollte auch noch trübe genug enden. Im November erhielt Bismarck die Nachricht, daß es mit seinem Vater, der von einem Schlaganfall sich nicht mehr erholen konnte, recht schlimm stehe, und so eilte er nach Schönhausen. Er fand den Teuren sehr schwach, und gab sich keinen Hoffnungen hin. Auch der Inspektor Bellin und seine Frau waren mutlos und verzagt. Die Frau erzählte:
»Ach, ich hab’s ja schon kommen sehen. Vor einigen Wochen, Sonntags, kam der gnädige Herr gar nicht, um sich zur Kirche zu begeben, die er doch nie versäumte. Die Glocken hatten schon geläutet, und so nahm ich mir den Mut, bei ihm einzutreten und ihn zu erinnern. Da sprach er ganz traurig: ›Ach, liebe Bellin, ich muß doch sehr schlecht hören, wenn ich die Kirchenglocken überhöre.‹ Und dann ging er eilig nach dem Gotteshause.«
Und der Inspektor fügte bei:
»Er hat manchmal so Ahnungen gehabt, und das gefällt mir nicht. Wie heuer im Frühjahr uns die Elbe bis in den Park hereinkam und einige von unseren schönen, alten Linden wegnahm, da war der gnädige Herr so sehr gedrückt. ›Mein lieber Bellin,‹ sagte er, ›die Linden sind eingegangen, ich denke, ich gehe nun auch bald ein‹.«
Und am 22. November hielt der treue Sohn die erkaltende Hand des Vaters in der seinen und drückte diesem die Augen zu.
Das war ein Trauertag für Schönhausen, als der alte, brave Gutsherr in die Gruft gesenkt wurde, und von den Bauern wischte sich manch einer die Augen aus, dem der Verewigte mit Rat und Hilfe beigestanden. Ernst und trübe sahen die beiden Brüder den Sarg hinabsenken, dann gingen sie schweigend nach dem Herrenhause zurück.
»Wie ist’s, Otto,« sagte dort Bernhard, »du übernimmst Schönhausen und überläßt mir Jarchelin.«
»Wenn dir’s so recht ist, Bernd – ich bin einverstanden!«
So war die Erbschaftsangelegenheit glatt und einfach geordnet, und das alte Schönhausen sah im nächsten Frühling einen freundlicheren Tag. Johannistag war’s, das liebliche Sommersonnwendfest. Die alten Linden blühten und dufteten, die Sonne blickte hell vom blauen Lenzhimmel, und am Portal des Herrenhauses standen der Inspektor und seine Frau, Knechte und Mägde, Bauern und Bäuerinnen. Der Eingang war mit grünen Reisern umwunden, und Otto von Bismarck hielt seinen Einzug in seinen Stammsitz, und nannte sich nun von Bismarck-Schönhausen.