Aber einsam war es ihm hier, gar so einsam. Der tolle Jugendübermut schien ausgeschäumt zu haben, er hatte wiederholt bereits dem Ernst des Lebens in das Auge geschaut, hatte Amt und Würden angenommen als Deichhauptmann und als Vertreter der Ritterschaft des Kreises Jerichow im Merseburger Provinziallandtag. Aber seine Seele sehnte sich nach dem Glücke des Familienlebens, und immer wieder trat das Bildnis jenes anmutigen Fräuleins, das es ihm auf Triglaff angetan, vor ihn hin.
In solcher Stimmung traf ihn eine Aufforderung seines Freundes Blankenburg zu einer Herbstreise; auch Fräulein von Puttkamer werde sich beteiligen. Das war der Wink des Schicksals, ihm mußte Folge geleistet werden.
Was war doch das für ein herrliches Wandern durch die malerischen Täler, auf die umgrünten Höhen des eigenartigen deutschen Gebirges! Blauer Himmel über herrlichen, lachenden Landschaftsbildern, Lerchengesang in der Luft und jauchzenden Herzschlag in der Brust. Das junge Blankenburgsche Paar störte den in zwei Seelen erwachenden Frühling nicht, und unter den leise rauschenden Bäumen des Harzwaldes ward der Bund so gut wie geschlossen. Glückselig kehrte Bismarck in sein Schönhausen heim und setzte sich nun hin, um an Herrn und Frau von Puttkamer auf Reinfeld zu schreiben und sie um die Hand ihrer Tochter zu bitten.
Der Brief tat eine wunderliche Wirkung. Der alte Herr, der eben von einem Ritt ins Feld heimkam, las ihn und traute seinen Augen kaum. Dann eilte er zu seiner Frau.
»Höre, Luitgard, – lese ich denn recht? – Mir ist’s, als hätt’ mir einer mit der Axt auf den Kopf geschlagen! – Der wilde Bismarck will unsere Johanna zur Frau!«
Frau von Puttkamer schlug die Hände zusammen.
»Unmöglich – unser stilles, frommes Kind und dieser tolle Bismarck. Da ist kein Segen drin, dazu gebe ich niemals meine Hand!«
»Ja, er schreibt auch hier, mit Johanna wäre er einig – na, das ist eine schöne Bescherung!« Die Frau des Hauses war aufgesprungen, sie rief nach ihrer Tochter. Das Fräulein kam mit geröteten Wangen, sie schien zu ahnen, um was es sich handle, und daß sie nun den ersten Kampf für den Mann ihrer Wahl bestehen müsse. Und sie bestand ihn siegreich gegen die Aufregung des Vaters und gegen die Tränen der Mutter. Von der Kraft ihrer Herzensneigung erfüllt, trat sie mutvoll für den Geliebten ein, und als die Eltern den entschiedenen Willen ihrer sonst so sanften Tochter erkannten, wurde der Freier eingeladen, nach Reinfeld zu kommen.
Und er kam. Die imponierende Persönlichkeit mit ihrer ritterlichen, gewinnenden Vornehmheit gewann die Mutter, der patriotische, warmherzige, königstreue Sinn den Vater, und so gab es eine fröhliche Verlobung.
Nun ward auf Schönhausen gerüstet zum Empfang der Herrin. Das alte Herrenhaus ward neu in Stand gesetzt, aber es kam noch ein Winter und ein Frühling, ehe der Bund den Segen der Kirche erhielt.