Der Lenz des Jahres 1847 zog ins Land mit Sturm und Brausen, und der Deichhauptmann ritt hinaus, um in Wetter und Graus seinen Pflichten zu genügen, und dabei lebte seine Seele in einer freundlichen Zukunft, wie schön es sein werde, wenn er nach stürmischem Tage heimkommen und Sturmmütze und Regenmantel ablegen und in das wohnliche Heim eintreten werde, wo zwei freundliche Augen ihm entgegenleuchten, zarte, liebe Lippen ihn begrüßen werden. Was kümmerten ihn die Frühlingsschauer und die rauhen Wettertage! Mitunter trieb es ihn auch zu Fuße hinaus an den Strand, um zu sehen, ob dem Uferlande keine Gefahr drohe. So kam er einmal dahergeschritten, mit seinem forschenden Auge die Deiche prüfend. Eine große, tiefe Lache – die Elbe war über ihre Ufer getreten – hemmte ihn auf seinem Wege. Er stand einen Augenblick still in ruhiger Überlegung, da erblickten ihn zwei Bauern, die mit ihren Angelruten am Ufer standen.

Der eine kam eilig herbei:

»Herr Deichhauptmann, ich trage Ihnen auf dem Rücken hinüber.«

Bismarck lachte: »Lieber Pietsch, das sind 182 Pfund!«

»All’ eins, Herr Deichhauptmann, Ihnen tragen wir alle mit Freuden!«

Dem Edelmann schlug das Herz wärmer bei solchen Worten des schlichten Mannes aus dem Volke. Das war die ehrliche märkische Art, die Art, aus welcher die Liebe auch zu König und Vaterland in Not und Gefahr erwuchs. Er dankte dem Manne herzlich, dann trat er mit seinen hohen Stiefeln ruhig in die Lache und schritt hindurch. Wenn es der einfache Bauer konnte, so mußte es auch der Deichhauptmann können. Die Bauern aber sahen ihm noch ein Weilchen nach, dann sagte der eine:

»Ein ganzer Mann mit dem Herzen auf dem rechten Flecke!«

»Gott erhalt’ ihn!« sprach der andere.

Der Sommer kam, und am 20. Juli ward in Reinfeld ein schönes Fest gefeiert, das zwei Menschen für ein ganzes reiches Leben verband, wie sie besser sich nicht finden konnten: Die Kraft und die Anmut, die Energie und die Milde hatten sich vereint – Otto von Bismarck hatte für sein Haus »das Herz« gefunden.

Und nun ging es hinein in die lachende Gotteswelt, dem schönen Süden entgegen. Die Tiroler Alpen und die Schweizer Firnen sahen nieder auf das glückliche Paar, dem die ganze Welt zu gehören schien, und das sein Glück widerspiegelte in den dunkeläugigen Bergseen und in der lachenden Wonne des italienischen Landes.