In der alten Dogenstadt Venedig hielten sie kurze Rast und fuhren über die in ernstem Schweigen ruhenden Lagunen und des Markusplatzes historische Pracht, aber das Herz des märkischen Edelmannes schlug höher, als er vernahm, daß gleichzeitig auch sein König Friedrich Wilhelm IV. in der alten Stadt der Wunder weile, und er konnte es sich nicht versagen, ihm seine Ehrerbietung auszudrücken.

Auch der König war erfreut über die Begrüßung, zumal ihm Bismarcks Name aus seiner jungen politischen Tätigkeit, die er seit kurzem entwickelte, vorteilhaft bekannt war; er unterhielt sich mit ihm in seiner lebhaften, geistvollen Art und war sichtlich erfreut über die ehrliche, schlichte Weise seines Untertans, so daß er ihn zur Tafel lud. Einen hoffähigen Anzug führte Bismarck freilich nicht auf seiner Hochzeitsreise mit, und er hatte Not, in Venedig etwas Passendes zu erhalten, aber das Herz, das unter dem geliehenen Gewande schlug, war und blieb die Hauptsache.

Begeistert für seinen König noch mehr als zuvor, setzte Bismarck mit seiner jungen Gattin seine Reise fort, und erst der Herbst lockte ihn wieder nach der Heimat, in das trauliche Nest, in dem er sein Vöglein betten wollte.

Die Altmark zeigte dem Heimkehrenden kein besonders freundliches Gesicht. Die Ernte war längst vorüber; kahl standen die Felder, durch die Kiefernbestände fauchte der Herbstwind, und durch den sinkenden Abend fuhr das Paar dem alten Herrensitze an der Elbe entgegen.

Sie hofften überraschend zu kommen, aber der Tag ihrer Ankunft war doch kein Geheimnis geblieben. Über den alten, rauschenden Linden hin zog sich ein grüßender Lichtschimmer, und als der Wagen hielt, da strahlte es von hundert Lichtern und Fackeln, und ihr Schein vergoldete das alte Bismarckwappen über dem Portal, die grünen Kränze und Girlanden, die es reich umschlangen, und die glücklichen Gesichter einer lebendig bewegten Volksmenge, welche erschienen war, des Hauses junge Herrin festlich zu begrüßen.

Jubelnder Zuruf klang dem Paare entgegen, höher loderten die Fackeln und Lichter, so daß ein rötlicher Schimmer über dem ganzen Bilde lag und gegen den Himmel stieg. Noch wogte die Lust und Freude, als Räderrasseln erklang und eine Spritze aus dem nahen Dorfe angefahren kam, deren Bemannung, getäuscht durch den Lichtschein, jetzt erkannte, daß es hier nichts Ernstliches zu löschen gab.

Nun konnte der Winter kommen; das freundliche Herrenschloß hatte seinen Sonnenschein alle Tage, und der wackere Deichhauptmann fand, wenn nach des Tages Mühen Frau Johanna im traulichen Gemache sich an den Flügel setzte und den Zauber der Töne mit ihren gewandten Fingern heraufbeschwor, daß es kein Glück gebe, dem einer anmutigen Häuslichkeit vergleichbar.

Fünftes Kapitel.
In gärender Zeit.

Das Sturmjahr 1848 war über Deutschland hingebraust. Die Vertreibung des französischen Königs durch sein Volk hatte auch hier die Geister entfesselt, und ein ungestümer Freiheitsdrang regte sich überall. Volksaufstände fanden da und dort statt, und während die Sehnsucht der Besseren nach nationaler Einigung Deutschlands und nach einem freieren Verfassungsleben hindrängte, verlangten die ungebildeten Bevölkerungsschichten sowie fanatische Hitzköpfe überhaupt den Umsturz alles Bestehenden, Republiken und Freiheit und Gleichheit aller Stände.

Alles war aus Rand und Band, und bis in die kleinsten Orte hinein zitterte die Aufregung, und feindliche Parteien standen einander gegenüber. Die Erbitterung derselben steigerte sich noch mehr, sobald es sich um politische Wahlen in den Landtag handelte. Demokratisch und königstreu waren die Schlagworte, um welche sich alles drehte.