»Aber Otto, fehlt dir gerade für diese Stellung – du hast gewiegte Staatsmänner dort – nicht die nötige diplomatische Erfahrung?«
»Erfahrungen müssen gemacht werden. Papa – und übertölpeln lasse ich mich doch nicht so leicht. Mit Patriotismus und Energie und mit etwas natürlicher Klugheit läßt sich schon etwas wagen. Zudem weißt du ja, daß schwierige Aufgaben und harte Nüsse meine Spezialität sind. Das habe ich auch einmal einem gewissen Herrn von Puttkamer bewiesen, der mir seine Tochter nicht zur Frau geben wollte.«
Der alte Herr lächelte:
»Na ja, einen festen Kopf hast du, und er sitzt auch, wie das Herz, auf dem rechten Flecke. Tue, was du für recht hältst, und wozu dich dein Empfinden als Mann und Untertan treibt.«
Und so schrieb Bismarck an den Minister von Manteuffel, daß er nach Potsdam kommen und sich Seiner Majestät allergehorsamst zur Verfügung stellen werde.
In dem Lustschlosse des großen Friedrich, dem herrlichen, grünumlaubten Sanssouci, stellte er sich dem König vor. Friedrich Wilhelm IV. betrachtete mit Wohlgefallen den prächtigen, hochgewachsenen Mann mit den hellen, treuen Augen, den er schon lange um seiner ehrlichen Geradheit und um seiner altpreußischen Gesinnung hochschätzte, und sagte:
»Lieber Bismarck, Sie wissen, um was es sich handelt, und ich höre zu meiner Freude von dem Minister von Manteuffel, daß Sie nicht abgeneigt sind, Preußen in Frankfurt zu vertreten.«
Einfach und schlicht erwiderte der Angeredete:
»Wenn Eure Majestät es mit mir versuchen wollen, so bin ich bereit dazu.«
Wieder sah Friedrich Wilhelm den Mann groß und beinahe mit Verwunderung an.