»Aber Frankfurt ist ein schlechter Boden; und es läßt sich nicht hehlen, daß gerade Preußen darauf nicht den besten Stand hat; ich bewundere eigentlich Ihren Mut.«
Da erwiderte Bismarck:
»Eure Majestät bekunden durch meine Ernennung einen noch größeren Mut. Wenn Allerhöchstdieselben mich zu dem Amte zu berufen geruhen, so hoffe ich, daß mir Gott die Kraft geben wird, es auszufüllen. Eure Majestät können es ja mit mir versuchen; geht es nicht, so ist’s ja leicht, mich wieder nach Hause zu rufen.«
Das klang so fest und doch so schlicht und gerade, daß der König beinahe ergriffen von der Antwort war und erwiderte:
»Dann versuchen Sie es mit Gott!«
Sechstes Kapitel.
Der Bundestagsgesandte.
Im alten Frankfurt a. M. liegt in der Bockenheimer Landstraße eine freundliche Villa; inmitten grüner Gartenanlagen erhebt sich der geschmackvolle Bau, in welchem auch der Reichsverweser Erzherzog Johann von Österreich gewohnt hatte. Im Sommer des Jahres 1851 hatte hier der preußische Bundestagsgesandte Otto von Bismarck seinen Sitz aufgeschlagen und sein ganzes Familienglück mit hereingebracht in das freundliche Haus.
Die Sonne blinkte noch in die Tautropfen im Grase, und eine wohlige Kühle wehte von Baum und Strauch her, als er, von einem Morgenritte heimgekehrt, durch den Garten schritt, um einen lieben Besuch aufzufinden, den ihm das Geschick gestern in sein Haus geweht, und der nach Aussage des Dieners auch bereits im Freien war. Auf einem sonnigen Plätzchen traf er ihn und grüßte ihn mit Herzlichkeit.
»Guten Morgen, lieber Motley, Sie sind also auch ein Frühaufsteher!«
»Die Sonne und die Vögel locken, und hier läßt sich so gut träumen.«