So gingen sie zusammen und bogen aus den belebten Straßen in ein stilleres Viertel der alten Handelsstadt. In einem engen Gäßchen vor einem schlichten Krämerladen blieb Bismarck stehen und zog seine Handschuhe an.

»Hier lassen Sie uns eintreten!« sagte er.

Erstaunt folgte der Hannoveraner. In dem engen Laden roch es wunderlich, so daß es ganz unmöglich gewesen wäre, diesen Geruch in seinen Einzelheiten zu analysieren. Ein jugendlicher Verkäufer begrüßte die beiden Herren und fragte nach ihren Wünschen.

»Ich möchte Seife, aber etwas wohlriechende,« sprach Bismarck, und der dienstbeflissene Jüngling begann seine Proben vorzulegen. Der Diplomat roch an jeder, dann wählte er jene, welche den stärksten Geruch hatte und schob sie ohne weiteres in seine Tasche.

»Haben Sie auch Briefkuverts?«

»Sehr wohl!«

Nach kurzer Auswahl nahm Bismarck die schlichteste und einfachste Sorte, zog dann ein bereits zusammengefaltetes Papier aus der Tasche, schob es in den Umschlag und bat sich nun Tinte und Feder aus, um die Adresse zu schreiben. Da jedoch die Handschuhe ihm hinderlich zu sein schienen, bat er den Verkäufer, ihm die Mühe abzunehmen, was dieser auch beinahe geschmeichelt tat. Behaglich steckte Bismarck nun das Schreiben zu der Seife in seiner Tasche, und als er mit seinem Begleiter vor der Türe stand, sagte er zu diesem:

»Glauben Sie nun, lieber Kollege, daß man unter diesem Kuvert, das nach Käse und Hering, Seife und Wichse duftet, nicht so leicht meine Depesche herausschnüffeln wird?«

Manchmal jedoch, wenn es ihm in dem Frankfurter Treiben zu unbehaglich und in den Bundestagsverhandlungen zu langweilig und zu ärgerlich wurde, setzte er sich auf die Eisenbahn und fuhr hinein in den Odenwald, oder besah sich einmal das bunte Leben und Treiben in den glänzenden Badeorten Homburg, Wiesbaden, Baden-Baden, oder er erquickte sich an der ewigen Schönheit des Rheinstromes und seiner lieblichen Ufer. So fuhr er eines Nachmittags nach Rüdesheim. Dort mietete er einen Kahn und glitt hinaus auf den Strom. Der Mond warf seinen milden, dämmerigen Schein auf die Fluten, die Luft war lau, und ihn faßte ein Gelüste an, die Kleider abzuwerfen und sich in die silbernen Wellen zu tauchen. Gedacht, getan, und bald schwamm er langsam und behaglich dahin. Hinter ihm her, im Abendschimmer verdämmernd, kam langsam das Boot, das der schweigende Ferge lenkte, hoch über dem Schwimmer wölbte sich blau und klar der Himmel mit seinen vieltausend Sternen, und drüben an den Ufern webte der bläuliche Mondenschimmer um die dunkelnden Höhen, die bewaldeten Berge, die grünen Weingärten und die grauen, schweigenden Ruinen der Vorzeit. Und das Wasser klang und rauschte und flüsterte wie von alten Sagen. Von Bingen herüber schimmerten einzelne Lichter, und nun hob sich der Mäuseturm düster und ernst aus den Wellen. Hier stieg der Schwimmer ans Land, kleidete sich an und fuhr nach Bingen hinüber, wo er Nachtrast hielt. Am nächsten Morgen aber ging’s über Koblenz nach Frankfurt zurück.

Das erfrischte Leib und Seele.