»Schaun’s Exzellenz! Alle vorm Feind erworben?«
»Jawohl, Exzellenz, alle vorm Feinde, alle in Frankfurt a. M.,« erwiderte Bismarck mit verbindlichem Lächeln.
Noch schärfer führte er den französischen Gesandten in Berlin, de Moustier, ab. Die Franzosen waren über die Neutralität Preußens in der orientalischen Frage verstimmt, und als der Gesandte mit Bismarck zusammentraf, ließ er sich zu der Äußerung verleiten: »Preußen wird seine Haltung noch einmal bedauern; auf diesem Wege kommt es vermutlich nach Jena!«
»Und warum nicht nach Leipzig oder Waterloo?« fragte Bismarck dagegen, und de Moustier war durch diese Antwort so gekränkt, daß er sich beim König – jedoch ohne Erfolg – beschwerte.
Bismarck war einmal nicht der Mann, der seiner Würde, noch weniger aber der Würde seines Staates etwas vergab.
Der Krimkrieg war zu Ende, und in Paris fanden sich die Vertreter der Mächte ein, um über den Frieden zu verhandeln. Damals reiste auch der Minister Graf Buol über Frankfurt dahin und hielt sich kurze Zeit in letzterer Stadt auf. Da beeilten sich denn die meisten der deutschen Bundesgesandten, ihm einen Beweis ihrer Ergebenheit zu geben, und ließen sich durch den Graf Rechberg, welcher indes an Graf Thuns Stelle getreten war, anfragen, wann sie ihre offiziellen Besuche machen könnten. Aber der Herr Minister, ermüdet von der Reise, lehnte solche Besuche ab, bestimmte jedoch eine Stunde, in welcher er für die Herren in seiner Wohnung zu einer vertraulichen Besprechung anzutreffen sei. Diese Mitteilung war auch Bismarck, trotzdem derselbe nicht angefragt hatte, zugegangen. Er ließ dem Grafen Rechberg wissen, daß er durchaus gar nicht die Absicht habe, die wertvolle Zeit des Grafen Buol in Anspruch zu nehmen, und während die anderen Gesandten im Vorzimmer der österreichischen Exzellenz warteten, bis es derselben genehm war, sich von ihnen respektvoll begrüßen zu lassen, wartete Bismarck, ob nicht Graf Buol zu ihm kommen werde.
Und derselbe kam trotz seiner »Ermüdung«.
Auch die Unterdrückung Schleswig-Holsteins durch die Dänen war eine Angelegenheit, welche den Bundestag viel beschäftigte, ohne daß eine Einigung zu erzielen war. Preußen hatte den besten Willen, zu helfen, aber die Eifersucht Österreichs, die Zwietracht der anderen Mächte banden ihm die Hände.
Trotzdem wußte Bismarck auch hier einiges zu erreichen, und vor allem zu erlangen, daß Dänemark für den Herzog von Schleswig-Holstein eine entsprechende Abfindungssumme entrichte.
In der schleswig-holsteinischen Sache war er übrigens selbst in Kopenhagen gewesen. Im August 1857 war er aufgebrochen, seine Familie hatte er nach Reinfeld gebracht, wo sie in ländlichem Behagen sich freuen und erholen konnte, und in der dänischen Hauptstadt fand er eine durchaus höfliche Aufnahme.