»Ja, was wollen Sie, Kaiserlingk,« sagte der liebenswürdige Hausherr, »so glänzende Feste wie der französische Gesandte kann ich nicht geben bei meinen 25 000 Talern Gehalt und 8000 Talern Mietgeld; er hat 300 000 Franken zur Verfügung.«
»Dafür kann auch er keine Feste geben wie Sie, Exzellenz!« erwiderte Erckert; »dort ist man immer unter einem unbehaglichen Zwange, hier fühlt man sich wie daheim.«
»Na, das freut mich! So ist mir’s auch am liebsten! Doch nun erlauben Sie mir, daß ich mich an den Kamin setze, das gibt mir ein absonderliches Behagen!«
Zwanglos gruppierten sich die Gäste, und einer von ihnen bemerkte:
»Sie haben doch wenigstens freie Feuerung, Exzellenz, und das will in Rußland etwas bedeuten.«
»Gott bewahre, mein Bester, die muß ich auch bezahlen. Das Holz wäre übrigens nicht so teuer, wenn die Beamten es nicht so teuer machten. Da sah ich einmal schönes Holz auf einem finnischen Boote. Ich fragte die Bauern nach dem Preise, und sie nannten mir einen sehr wohlfeilen. Als ich’s aber kaufen wollte, fragten sie mich, ob es für den Fiskus wäre. Da beging ich die Unvorsichtigkeit, zu antworten: Nicht für den kaiserlichen Fiskus, sondern für den königlich preußischen Gesandten. Preußen wäre wohl ein Gouvernement des russischen Reiches? Ich sagte, das gerade nicht, aber die Gesandtschaft hat mit der kaiserlichen Krone zu tun. Das war eben unvorsichtig, undiplomatisch; es befriedigte die Bauern offenbar nicht, und es half auch nichts, daß ich ihnen das Geld gleich geben wollte. Sie fürchteten ohne Zweifel, daß ihnen dasselbe von mir wieder abgedrückt werden würde, und daß man sie obendrein unter dem Vorwande, sie hätten das Holz gestohlen, einstecken und ihnen Prügel aufzählen würde. Als ich später wiederkam, waren sie alle auf und davon. Hätte ich ihnen die Adresse eines Kaufmanns gegeben, mit dem ich mich inzwischen verständigen konnte, hätte ich das Holz um den dritten Teil dessen gehabt, was ich sonst bezahlte.«
Das Gespräch kam auf die Jagd, zumal sich manche schöne Trophäe derselben in der Wohnung Bismarcks befand.
»Sie scheinen ein besonderer Günstling St. Huberts zu sein nach allem, was ich sehe und höre,« sagte einer der Anwesenden, und Hauptmann Erckert erwiderte:
»Herr von Bismarck schießt eine absolut sichere Kugel. Da erzählte mir ein Bekannter, der Oberst M., vor kurzem, er sei mit fünf anderen Jagdgefährten und unserem liebenswürdigen Hausherrn auf die Bärenpirsch gefahren. Als der erste Bär sich zeigte, schoß Herr von Bismarck, und das Tier brach im Feuer zusammen; es kam ein zweiter Bär, der nächste Schütze fehlte ihn, Herr von Bismarck aber streckte ihn mit einem Prachtschuß nieder. Ein dritter Bär rückte an, der Oberst schoß zweimal nach demselben ohne Erfolg, und in demselben Augenblick hatte Herr von Bismarck ihn mit tödlicher Sicherheit gefällt. Ein vierter Bär kam nicht!«
Das Töchterchen Bismarcks lehnte bei diesen Gesprächen an dem Fauteuil der Mutter, die beiden Söhne, der zehnjährige Herbert und der achtjährige Bill (Wilhelm), hörten dem Gespräch von einer Ecke des Gemaches aus zu. Als die Rede von der Bärenjagd war, flüsterten sie einander etwas zu und eilten dann hinaus. Das Gespräch hatte bald eine andere Wendung genommen, als sie wiederkehrten, und hinter ihnen trabten und kollerten zwei kleine, drollige, braune Tiere herein.