»Majestät, unsere Sache muß gut stehen, denn Moltke hatte eben noch die Kaltblütigkeit, aus meinem Etui die bessere Zigarre auszuwählen.«
Noch immer spähten die Blicke nach Nordosten. Dunkle Streifen traten am Horizont hervor, die man bisher nicht bemerkt zu haben meinte. »Ackerfurchen!« sagte jemand aus der Umgebung des Königs, Bismarck aber schaute scharf aus, und plötzlich rief er:
»Das sind keine Ackerfurchen, die Zwischenräume ändern sich – das sind marschierende Kolonnen!« Ein tieferer Atemzug hob die Brust des Königs, dankend schaute eine Sekunde lang sein Auge gegen den grauen Himmel … Nun kam die Entscheidung. Nicht lange danach donnerten von Chlum her die preußischen Kanonen, der Kronprinz griff ein in die Schlacht, und der Sieg konnte den Preußen nicht mehr entrissen werden.
Da übermannte den König seine Bewegung. Er sprengte dicht heran an seine zujauchzenden Soldaten, die nach seinen Händen, nach seinem Mantel faßten und ihre Lippen daraufdrückten.
Die Kugeln sausten und schlugen ringsum ein, eine zerspringende Granate zerschmetterte ein Dutzend Reiter vom sechsten Kürassierregiment in nächster Nähe des Herrschers, und Rosse und Männer wälzten sich blutig übereinander, da ritt Bismarck dicht heran an den König, der mit voller Ruhe nur auf die freudig bewegten Truppen achtete, und sagte:
»Als Major habe ich Eurer Majestät keinen Rat zu erteilen, als Ministerpräsident aber bin ich verpflichtet, Eure Majestät zu bitten, sich nicht auf diese Weise der Gefahr auszusetzen.«
Der König wendete sich lächelnd dem treuen Warner zu:
»Wohin soll ich denn als Kriegsherr reiten, wenn meine Armee im Feuer steht?«
Bismarck entgegnete:
»Majestät, wenn Sie auch keine Rücksicht auf Ihre Person nehmen, so haben Sie wenigstens Mitleid mit Ihrem Ministerpräsidenten, von dem Ihr getreues Volk seinen König fordern wird; im Namen dieses Volkes bitte ich Sie, diese gefährliche Stelle zu verlassen!«