So lagen die Dinge augenblicklich, und Bismarck fühlte mit aller Bestimmtheit, daß Frankreich immer neue Forderungen stellen und Preußen um jeden Preis zum Kriege reizen würde. Seine Beruhigung war jedoch die gerechte Sache seines Königs, die schlagfertige Armee und die Hoffnung auf das erwachende nationale Gefühl des deutschen Volkes.

Er sah hinein in die sonnige, stille Welt, in seinen grünen, schattigen Park und hinüber nach den weißen Mauern seines Herrenhauses, und eine Friedenssehnsucht zog ihm durch die Seele. Da kam den Kiesweg heran ein älterer Herr mit Zeitungen in der Hand; der Hund hob den Kopf, blinzelte mit den klugen Augen und wedelte leicht mit dem Schweife, – er begrüßte einen guten Bekannten, den Vorstand des Geheimbureaus Bismarcks, den Geheimen Legationsrat Lothar Bucher.

»Gibt’s Neues von Wichtigkeit, lieber Bucher?«

»Bis jetzt nichts von Belang, Exzellenz; die französischen Zeitungen aber rasseln sehr energisch mit den Säbeln, hier ist eine äußerst bezeichnende Stelle!«

Er hatte sich auf Einladung seines Vorgesetzten neben diesem niedergelassen und las:

»Unser Kriegsgeschrei ist bis jetzt ohne Antwort geblieben; die Echos des deutschen Rheines sind noch stumm. Hätte Preußen zu uns die Sprache gesprochen, welche Frankreich spricht, wir wären schon längst unterwegs.«

»Darin mögen sie recht haben,« sagte Bismarck, »es fragt sich nur, wie weit sie gekommen wären.«

»Wie ist die Stimmung in den deutschen Blättern, zumal in den süddeutschen?«

»Ganz ausgezeichnet, Exzellenz! Man erwartet, daß der König jedes freche Ansinnen Frankreichs entschieden zurückweisen werde und ist in Verurteilung des französischen Vorgehens von seltener Einstimmigkeit.«

»Na, und wenn es zum Äußersten kommt, wir sind bereit, denn auf Moltke und Roon können wir uns verlassen, und wir haben in acht Tagen gewaltige Heeresmassen marschfertig. Frankreich rennt in sein Verderben, wenn es den Krieg provoziert.«