Er öffnete den Deckel des vor ihm stehenden Tabakskastens, der dem Kopfe seines treuen vierfüßigen Begleiters, der prächtigen Dogge, die sich auch jetzt zu seinen Füßen gestreckt hat, nachgebildet ist, und stopft sich die Pfeife. Die junge, schöne Komteß hat den Fidibus angebrannt und hält ihn zurecht, – einige kräftige Züge, der blaue Rauch wirbelt um den Lehnstuhl und den, welcher darin sitzt, und nun gehen die Damen und überlassen den Staatsmann seinen Sorgen und seiner Arbeit.

Bismarck liest, und der mächtige Blaustift in seiner Hand arbeitet dabei unablässig. Lothar Bucher kommt, hält Vortrag und macht sich seine Notizen, und so arbeitet die Staatsmaschine von dem stillen Varzin in Hinterpommern aus unablässig. Die Stunden vergehen, und der Erholung darf nicht ganz vergessen werden.

Der Wagen ist vorgefahren, denn Bismarck darf, da er noch Rekonvaleszent ist von einem Nervenleiden, nicht reiten, und mit Frau und Tochter fährt er hinein in das freundliche, sonnige Land, und wo er vorüberkommt, bleiben die schlichten Landleute stehen und grüßen ihn und die Seinen mit aufrichtiger Herzlichkeit. Da und dort läßt er wohl auch halten und redet einen oder den anderen der Leute an. Ein alter Taglöhner stand am Wege und zog ehrerbietig die Mütze; er war krank gewesen bis vor kurzem, und Bismarck wußte dies. Er rief dem Alten zu:

»Nu, Krischan, du büst woll wedder ganz op den Tüge?«

»I, ja,« – sagte der Angeredete treuherzig. »Sie sollten man ok hier blieven, dann wurden Sie nochmal so frisch!«

Bismarck lachte, und im Weiterfahren sprach er:

»Ja, wer immer in Varzin sein könnte!«

Gegen sechs Uhr wurde das Diner eingenommen. Was auf den Tisch kam, stammte beinahe alles von den Besitzungen des Grafen selbst und mundete um so besser, als es mit heiterem Tafelgespräch gewürzt ward. Die Stunde ging rasch, und noch einmal wanderte der Kanzler mit den Seinen in den Park und freute sich des herrlichen Sommerabends, der grüngoldenen Lichter, welche auf den Wegen spielten, und der tiefen Ruhe. Da und dort ward kurze Rast gehalten; schlanke Rehe kamen aus dem nahen Walde und huschten durch den Park bis herein in den Garten, und Bismarck freute sich der Zutraulichkeit der schönen Tiere, die sich durch die Nähe der Menschen nicht verscheuchen ließen. Es war eine liebliche Idylle, in welche die Abendglocken vom Dorfe her stimmungsvoll klangen.

Nun ward der Tee eingenommen in der umgrünten Veranda. Die Dämmerung legte sich langsam über das Land, vom Blumengarten wehte süßer Duft, die Lampe warf ihren traulichen Schimmer über den Tisch, und die Gräfin Bismarck kredenzt dem Gatten das Getränk. Dann wird die lange Pfeife wieder angebrannt, behagliche Wölkchen ziehen durch den Raum; in seinen weiten Sessel zurückgelehnt, sitzt der große Staatsmann schweigend und träumend, indes aus den geöffneten Fenstern des Frühstückszimmers die Klänge an sein Ohr schlagen, welche Frau Johannas Meisterhand dem Flügel entlocken.

Noch eine kurze Stunde, dann neigt sich der Sommertag seinem Ende zu. Es ist noch nicht ganz um Mitternacht, als Bismarck sich erhebt, um sich zur Ruhe zu begeben … die letzten Lichter in Varzin verlöschen, der blaue Nachthimmel spannt sein weites Zelt über Schloß, Park und Dorf, und die ewigen Sterne flimmern so friedvoll in ihrer unvergänglichen Schönheit, und sie kümmern sich nicht um der Menschen und Völker Haß und Hader.