Wir werden nach dem Beispiele unserer Väter für unsere Freiheit und für unser Recht gegen die Gewalttat fremder Eroberer kämpfen, und in diesem Kampfe, in dem wir kein anderes Ziel verfolgen, als den Frieden Europas dauernd zu sichern, wird Gott mit uns sein, wie er mit unseren Vätern war!«

Kurze Zeit danach fuhr der König hinaus nach Charlottenburg. Dort liegt zwischen grünen Parkgehegen ein schlichter Bau, das Mausoleum, in welchem Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise ruhen. Zwei herrliche Marmorbilder, welche die Verewigten wie friedlich Schlafende darstellen, stehen über der Gruft, und bläulicher Lichtschimmer flutet mild und freundlich darüberhin. Hier in einsam weihevoller Stille betete der König und flehte den Segen seiner Eltern nieder auf den Pfad, den er nun gehen mußte für seine und seines Landes Ehre.

Und beinahe zur selben Stunde betrat Graf Bismarck den Sitzungssaal des Reichstags. Hochaufgerichtet und mit vor Erregung leuchtenden Augen betrat er die Tribüne, und aller Blicke hafteten auf dem herrlichen, stattlichen Manne, aller Parteigroll war geschwunden, und die Ahnung dessen, was dieser große Augenblick bringen sollte, ging durch jede Seele. Deutlich und fest klangen die inhaltschweren Worte des Kanzlers:

»Ich habe dem hohen Hause die Mitteilung zu machen, daß mir der französische Geschäftsträger Le Sourd heute die Kriegserklärung Frankreichs überreicht hat. Nach den Worten, die Seine Majestät soeben an den Reichstag gerichtet hat, füge ich der Mitteilung dieser Tatsache weiter nichts zu.«

Aufrecht standen die Vertreter des Volkes, jede Brust dehnte sich weiter, jedes Auge blitzte heller, und voll Begeisterung klang es durch den Saal: »Es lebe der König!«

Und durch das ganze deutsche Volk zitterte und brauste dieselbe Bewegung, und aus allen Gauen zogen die Söhne der einen Mutter Germania heran voll heiligen Kampfesmutes, voll Zuversicht auf die gerechte Sache und auf ihre Kraft. Bayern und Sachsen standen neben Preußen, und wenn Napoleon auf die alte Eifersucht der deutschen Stämme gerechnet hatte, so sollte ihm das zum fürchterlichen Verhängnis werden.

Umtost vom Jubel seines Volkes verließ der vierundsiebzigjährige König am 31. Juli seine Hauptstadt, und am 2. August übernahm er von Mainz aus, wo er mit Moltke, Bismarck und Roon eingetroffen war, den Oberbefehl über die deutschen Heere. Das blutige Kriegsspiel begann. Das waren heiße Augusttage bei Weißenburg und Wörth und um die trutzige Festung Metz, hinter deren Wällen der sieggewohnte französische Marschall Bazaine mit eisernen Klammern festgehalten werden mußte.

Am 16. August war das heiße Ringen bei Vionville und Mars la Tour. In Pont à Mousson war Bismarck im Hauptquartier des Königs, und dort, von woher die Donner der Schlacht brüllten, kämpften seine beiden Söhne in der dritten Schwadron der Gardedragoner. Das Vaterherz war voll banger Sorge und würde es noch mehr gewesen sein, wenn es gewußt hätte, wie das brave Reiterregiment furchtbar geblutet und viele seiner Offiziere, darunter seinen tapferen Obersten von Auerswald, verloren hatte. Der Abend senkte seine Schleier über das furchtbare Feld, und Bismarck ritt hinter seinem König her, um ein Nachtlager für diesen finden zu helfen. In allen Häusern und Hütten lagen Verwundete und Sterbende, und nur mit Mühe gelang es, ein Stübchen ausfindig zu machen, wo ein Feldbett für den hohen Herrn untergebracht wurde. Der aber wollte es nicht besser haben als die Seinen. Das Bett sollte für einen Verwundeten bleiben, er selbst wollte auf einem Strohlager schlafen, und Bismarck und Moltke mußten mit ihm das Zimmer teilen.

Der Kanzler fand wohl wenig Schlaf; er dachte »der Toten, der Toten,« er dachte seiner Söhne. Mit dem erwachenden Tage ritt er hinaus in das Schlachtfeld nach dem Lagerplatz der Gardedragoner und fragte nach seinen Lieben. Sie hatten sich beide brav geschlagen, und Herbert hatte für König und Vaterland geblutet, aber das Geschick war ihnen gnädig gewesen.

Im Lazarett in Mariaville fand er beide Söhne, und in freudiger Ergriffenheit trat er an das Lager Herberts, der durch eine Kugel am Oberschenkel verwundet war. Wilhelm hatte sein Pferd verloren, war aber sonst unversehrt geblieben.