Es war ein trotz allem schönes Wiedersehen, aber ein von einem leisen Wehmutshauch verschleiertes Abschiednehmen. Für den Grafen Herbert winkte die Rückkehr in die Heimat, Graf Wilhelm aber zog mit seinem Regimente weiter, neuen Gefahren und Siegen entgegen, und Vater und Sohn sollten sich erst am 2. September wiedersehen.

Am 18. August brüllten die ehernen Schlünde um Gravelotte und Rezonville. Am Morgen ritt Bismarck mit seinem König die Höhe bei Flavigny hinan und sah hinein in das wogende Kampfgewühl, das bis hierher brandete. Mehr als einmal kam er selbst sowie auch König Wilhelm in drohende Gefahr. Es war ein furchtbares Ringen, nicht eine Schlacht, sondern eine Reihe von Schlachten, die hier um das alte Metz geschlagen wurden. St. Privat war von den preußischen Garden und den braven Sachsen erstürmt worden nach heißem Streit und unter schweren Verlusten, und als der Sommertag sich zu neigen begann, sanken auch die Sterne des französischen Marschalls.

Noch einmal in der siebenten Abendstunde machte er einen verzweifelten Vorstoß über die Talschlucht von Gravelotte hinaus, aber die wackeren Pommern, die nach einem beschwerlichen Marsche erst vor kurzem auf dem Schlachtfelde eingetroffen, warfen sich ihm entgegen. »Es lebe der König!« scholl es in heller Begeisterung, und hinab ging es in den Talgrund, Bataillon um Bataillon und jenseits wieder die Höhen hinan.

Der greise Kriegsherr aber hielt auf der Höhe nördlich von Gravelotte und sah hinein in die sprühenden Pulverblitze, und um ihn her und über ihn hin sausten die todbringenden Geschosse und platzten die Granaten. Und wie einst bei Sadowa, so wußte Bismarck auch hier seinen königlichen Herrn aus der gefährlichen Stellung fortzubringen. Er blieb ihm treu zur Seite und geleitete ihn gegen Rezonville. Hier stieg der greise Held, ermüdet von dem furchtbaren Tage, vom Rosse und sah sich um nach einem Sitze. Es war nichts zu erblicken; nur ein toter Schimmel lag in der Nähe; auf den Leib desselben und auf eine alte Brückenwage ward nun eine Leiter gelegt, und hier saß der König, mit dem Rücken an eine Gartenmauer gelehnt.

Die Schatten des Abends wurden grauer, unheimlich loderten unfern die Flammen aus einem großen brennenden Gebäude gegen den Himmel, dumpf rollten fernher noch die letzten Donner der Schlacht, und um ihren königlichen Führer her geschart standen in erwartungsvollem Schweigen Generale und fürstliche Herren.

Um die neunte Stunde war es, als Moltke heransprengte; aus seinen ernsten Augen leuchtete es hell – er brachte die Kunde von dem errungenen Siege, von der endgültigen Festnagelung des französischen Marschalls hinter den Mauern von Metz.

Ein Telegraphenbeamter brachte eine Meldung; ihm diktierte Bismarck im Namen des Königs folgende Depesche an die Königin Augusta:

Biwak bei Rezonville, 18. Aug. 9 Uhr abds.

Die französische Armee in sehr starker Stellung westlich von Metz angegriffen, in neunstündiger Schlacht vollständig geschlagen, von ihren Verbindungen mit Paris abgeschnitten und gegen Metz zurückgeworfen.

Wilhelm.