Ein Marketender war herbeigerufen worden; er hatte wenig genug zu bieten, aber auch der bescheidene Rotwein, mit welchem die Feldflaschen gefüllt wurden, mundete, und aus einem zerbrochenen Tulpenglase trank der König. Sein Kanzler aber kaute an einer harten Brotrinde, denn besseres war augenblicklich nicht zur Stillung des Hungers zu finden.

Die Nacht sank nieder, und die Schwierigkeit, ein Lager zu finden, ließ sich kaum verkennen. Der König ritt mit seinen Begleitern hinab nach dem Dorfe Rezonville. In allen Häusern Verwundete, endlich in einem ärmlichen Hause ein kleines Stübchen! Aus einem Krankentransportwagen wurde eine Bahre herbeigeschafft, dazu einige Wagenkissen, und auf diesem unbequemen Lager, völlig angekleidet, mit seinem Mantel bedeckt, schlief der siegreiche alte Held, nachdem man mit Mühe noch ein Abendbrot für ihn aufgetrieben hatte.

Bismarck aber irrte durch die nächtlichen Gassen des kleinen französischen Nests, die erhellt waren von dem Feuerschein brennender Häuser. Bei dem Wagen des Königs hielt der Erbgroßherzog von Mecklenburg Wache, damit nichts abhanden komme, und der Kanzler selbst suchte Haus um Haus nach einem Unterkommen. Überall vernahm er, daß alles voll Verwundeter liege. Ein dunkles Fenster in einem Hause winkte verheißungsvoll, und diesmal ließ er sich auch nicht von dem Hinweise auf Verwundete abspeisen. Er stieg die Treppen hinan und fand in der Tat ein Stübchen mit drei Betten und hielt hier erquickliche Nachtrast.

Nun galt es, Frankreichs zweites Heer festzulegen und seinen berühmtesten Marschall Mac Mahon unschädlich zu machen, und die deutschen Heersäulen zogen mit ruhiger Sicherheit die Wege, welche der herrliche Schlachtenlenker Moltke ihnen anwies.

Am 23. August war das königliche Hauptquartier in Pont à Mousson. Am Abend hatte Bismarck seine Wohnung aufgesucht; bei dem Posten an der Tür des Hauses hielt er an:

»Nun, wie geht’s?«

»So gut es sein kann im Kriege, Exzellenz!«

»Wie steht’s mit der Verpflegung?«

»Untertänigst zu danken, Exzellenz – ich habe seit 24 Stunden keinen Bissen gegessen!«

Bismarck erschrak beinahe über die Äußerung des Soldaten, und sogleich eilte er in das Haus, suchte die Küche und kehrte bald mit einem tüchtigen Stück Brot, das er selbst abgeschnitten, zu dem Manne zurück, der die Gabe mit lebhaftem Dankgefühl entgegennahm.