»Will denn die Angelegenheit noch nicht vorwärtsrücken?« sprach der eine. »Nun haben wir glücklich Baden und Hessen dem Norddeutschen Bunde eingegliedert – aber Bayern und Württemberg machen doch, wie es scheint, besondere Schwierigkeiten.«
»Im Prinzip gewiß nicht,« erwiderte der andere, »aber es ist begreiflich, daß sie gewisse Rechte sich reservieren wollen.«
»Ja, die Verwaltung von Eisenbahn-, Post- und Telegraphenwesen –«
»Und wie ich gehört habe, will Bayern auch die Leitung seines Heeres wenigstens zu Friedenszeiten nicht an Preußen abgeben. Hoffentlich scheitert nicht auch diesmal das große Einigungswerk an kleinen Bedenken.«
»Lassen Sie nur unseren geistvollen großen Chef machen, verehrter Freund; er hat Klugheit und Energie zugleich, und versteht zu rechter Zeit zu geben und zu nehmen.«
Der Schriftsteller Moritz Busch, der als Zeitungsberichterstatter sich im Hauptquartier befand, trat herein zu den beiden Herren.
»Seine Exzellenz konferieren wohl noch immer?« fragte er. Graf Hatzfeld deutete nach der Türe, welche zum Salon führte.
»Dort ist er mit dem bayrischen Kleeblatt, Graf Bray, Lutz und Prankh, und die Herren scheinen zäh zu sein.«
Noch eine Viertelstunde verstrich, da öffnete sich die Flügeltüre, der Kopf Bismarcks erschien mit hellen Augen, und das Antlitz in angenehmer Erregung. Als er die drei bemerkte, trat er in das Zimmer, einen Becher in der Hand. Seine Stimme klang bewegt, als er sprach:
»Nun, meine Herren, der bayrische Vertrag ist jetzt fertig und unterzeichnet, die deutsche Einheit ist gemacht und der deutsche Kaiser auch.«