– Jetzt sind ja alle Teufel draußen und kratzen nach jedem einzigen Fisch, der im Wasser lebt.

Die Alte wollte ihn in die Stube führen, er aber ging geradeswegs in die Küche hinein, denn er zog das Herdfeuer vor: dort konnte er trocken werden.

Wärme und Licht schienen indessen dem Pastor nicht gut zu bekommen; er zwinkerte mit den Augen, als wolle er sich ermuntern, während er die nassen Schmierstiefel auszog. Carlsson half ihm unterdessen aus einer graugrünen Joppe, die mit Schaffell gefüttert war. Bald saß der Pastor in

wollenem Wams und bloßen Strümpfen an der Ecke des Tisches, den die Alte abgeräumt und mit Kaffeegeschirr gedeckt hatte.

Wer Pastor Nordström nicht kannte, hätte nicht vermutet, daß dieser Fischer ein geistliches Amt bekleidete; so sehr hatten dreißig Jahre Seelsorge draußen in den Schären den Mann verwandelt, der einst recht fein gewesen war, als er von der Universität Uppsala kam. Ein äußerst knappes Gehalt hatte ihn genötigt, sein Auskommen aus See und Acker zu ergänzen; und da es auch dann noch nicht reichte, mußte er sich an den guten Willen seiner Gemeinde wenden, den er durch geselliges Wesen, sich seiner Umgebung anpassend, lebendig erhielt.

Doch zeigte sich der gute Wille meist in Kaffeehalben und Bewirtungen, die an Ort und Stelle verzehrt werden mußten, also den Wohlstand des Pfarrhauses nicht erhöhen konnten; eher unvorteilhaft auf den physischen und moralischen Zustand des Empfängers wirkten. Außerdem wußten die Schärenleute aus teuern Erfahrungen, wie in Seenot Gott nur dem half, der sich selber half; auch waren sie unfähig, einen starken östlichen Wind mit dem augsburgischen Bekenntnis in Zusammenhang zu bringen. Sie machten sich deshalb wenig aus der kleinen hölzernen Kapelle, die sie hatten bauen lassen. Der Kirchgang, der durch lange Ruderfahrten erschwert oder von ungünstigen Winden unmöglich gemacht wurde, war mehr eine Art Volksmarkt, auf dem man Bekannte traf, Geschäfte machte, Ankündigungen hörte. Und der Pastor war die einzige Behörde, mit der man in Berührung kam; der Amtmann, der die Polizeigewalt ausübte, wohnte weit entfernt und wurde bei Rechtssachen nie bemüht; die machte man vielmehr unter einander ab, mit einigen dänischen Küssen oder einem Schoppen Branntwein.

Nicht eine Spur von Latein und Griechisch konnte man in dieser vom Herdfeuer und zwei Talglichtern beleuchteten Gestalt sehen, einer Kreuzung von Bauer und Seemann. Die einstmals weiße Hand, die in ihrer ganzen Jugend in Büchern geblättert hatte, war braun und borkig, hatte gelbe Leberflecke von Salzwasser und Sonnenbrand, war hart und schwielig von Rudern, Segeln, Steuern; die Nägel waren halb abgenagt und trugen von der Berührung mit Erde und Geräten schwarze Ränder. Die Ohrmuscheln waren mit Haar zugewachsen und gegen Katarrh und Fluß von Bleiringen durchbohrt. Aus der auf das wollene Wams aufgenähten Ledertasche hing eine Haarschnur, die einen Uhrschlüssel aus einem gelben Metall mit einem Karneol trug. In die feuchten wollenen Strümpfe hatte die große Zehe Löcher gerissen, welche die schlingernden Bewegungen der Füße unter dem Tisch unablässig verbergen wollten. Das Wams war unter den Armen von Schweiß gelbbraun geworden, und der Hosenschlitz stand halb offen, weil Knöpfe fehlten.

Er holte eine kurze Pfeife aus der Hosentasche, klopfte sie, während allgemeines achtungsvolles Schweigen herrschte, gegen die Tischkante aus, daß sich ein kleiner Maulwurfshaufen von Asche und sauerm Tabak auf den Boden legte. Aber die Hand war unsicher und das Stopfen ging unregelmäßig vor sich; war zu umständlich, um nicht Unruhe zu erregen.

– Wie steht es heute Abend mit Ihnen, Herr Pastor? Ich glaube, Sie sind nicht ganz wohl, fuhr die Alte dazwischen.

Der Pastor hob das auf die Brust gesunkene Haupt, sah sich nach den Balken der Decke um, als suche er nach der Sprechenden.