„Und was für ein Gesindel hatte er um sich herum, Landstreicher und Huren! . . . Dieses Magdalenchen!“ . . . Und voller Geilheit erzählten sie zweideutige Geschichten von diesem Magdalenchen.

„Er entriß die Kinder ihrer Familie . . .“

„Er säte Haß unter die Menschen . . .“

„Ein Glück, daß ich dabei war! Petrus ging schon ans Hauen und Stechen: er hat einen Kerl in zwei Teile gespalten bis an den Nabel . . . Aber ich habe ihm zum Donnerwetter nochmal eine neingehauen, daß ihm schwummerig wurde . . .“

„Die Apostel hatten selbst genug davon: ihr seht es ja, es ist einer von seinen besten Freunden, der ihm das Spiel verdorben hat.“

„Ha! ha!“ fluchte Ahasverus bei sich, „sieh da, das auserwählte Volk des Neuen Reiches!“ Die letzten Anhänger Jesu hatten sich auf die Strümpfe gemacht oder standen da, verblüfft und verbaast, und sperrten das Maul auf.

Aber plötzlich erschütterte Lachen, gewaltiges Prusten und Lachen, die dichtgedrängte Menge. Denn Jesus war auf dem Altan erschienen, vorwärts gestoßen, — und er glich mehr einer Vogelscheuche als einem König: sie hatten ihm zum Zeichen seiner Macht einen zerlumpten Purpurmantel umgehangen, in dem seine Füße strauchelten, und sein Haupt trug eine Krone aus Dornen geflochten, und als Zepter hielt er in seinen gebundenen Händen ein Rohr. Wahrhaftig, ein famoser Ulk! Ahasverus lachte und tobte mit, denn es war ihm, als ob er selbst da oben stünde, es war ihm, als ob er sich selbst verspottete, als ob die Dornen aus seinem eigenen Haupte den roten Schweiß tropfen ließen.

Soldatenvolk umgrinste den schäbigen Herrscher. Ein Lümmel zupfte ihn am Haar und fragte: „Du, der alles weiß, sag, wer hat das getan?“ Aber Jesus schwieg.

Und ein anderer gab ihm hinterrücks einen Backenstreich und fragte: „Weissage: wer hat dich geschlagen?“ Ahasverus fühlte die Ohrfeige auf seiner eigenen Backe brennen und lachte wild mit dem Volke mit. Jesus schwieg.

Und nun wurde nach seinem Antlitz gespieen: „Weissage! Weissage!“ Es schien Ahasverus, als ob er auf seine eigene Seele spiee, und er schrie mit. Ein fürchterliches Gedränge stieß nach vorn, jedermann wollte dabei sein, wollte mitspielen. Frauen und Kinder gellten mitten hinein ins Geheul dieser ungebärdigen, tausendköpfigen Bestie, die sich gegen die Mauer des Gerichtshauses quetschte.