Man sah deutlich, daß er sich die Sache am liebsten vom Leibe halten wollte; die Glaubenslehre der Juden war ihm gleichgültig, und die krähenden Priester hingen ihm zum Halse heraus. Er schwatzte mit knappen Gebärden etwas von seiner Liebe zum Volk, und daß in erster Linie Ordnung herrschen müßte im Interesse der ökonomischen Entwicklung der Stadt, daß die Bürger von Jerusalem einander nun endlich einmal verstehen müßten und aufhören mit ihrem ewigen Gehäkel um Bagatellen. Bei diesem Wort begannen die Pharisäer schon wieder sich die Augen aus dem Kopf zu blöken, und das Publikum rumorte nur immer mehr. Kaiphas, der neben Pilatus über dem Geländer des Altans hing, schrie wütend und aufhetzend zu seinen Trabanten hinunter. Und Pontius Pilatus, ein wenig aus dem Konzept gebracht, ließ ihn nun seinerseits reden, um das Gebrodel zu stillen. Kaiphas, den knallroten Kopf stolz über dem Bauch, predigte erst mit salbungsvoller Stimme, legte dann mehr Nachdruck auf seine Worte, als er auf diesen Aufrührer zu sprechen kam, der sich für den König der Juden hielt, und auf die nötige Ehrerbietung vor dem jüdischen sowohl wie vor dem römischen Gesetz, und er schloß seine Rede mit einem gewaltigen Gedonner prasselnder Sätze. Ja, heilig durfte man die Ordnung nennen; aber dieser Fremdling, der gerade war der Störenfried, der weg mußte. „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ wurde gerufen.

„Ach, was kann er denn viel Böses anrichten?“ sagte Pilatus achselzuckend. „Er ist nur ein Träumer, ein Intellektueller!“

Die Schriftgelehrten, die Küster des Tempels, die Reichen, die Wechsler, die Leute an der Spritze, alle, die Jesus bei ihren Geschäftchen gestört hatte, alle, die einen Augenblick gezittert hatten, sie waren überall eifrig am Werk, tobten, daß es staubte, ließen Bier herumreichen und versprachen goldne Berge, wenn Jesus gekreuzigt würde. Und vor dem Sturm zog sich Pontius Pilatus ins Haus zurück, gereizt mit Kaiphas sich kibbelnd, der ihm mit aufgeregter Geschwätzigkeit folgte.

Rings um Ahasverus sagte nun ein jeder sein Sprüchlein:

„Er predigte doch gegen die Lehre . . .“

„Wenn er mehr ist wie wir, warum hat er sich dann greifen lassen und kein Wunder getan?“

„Ein Gaukler . . .“

„Er hat einen Blinden an einem Sonntag geheilt. Rechtschaffene Leute arbeiten nicht am Sonntag . . .“

„Warum blieb er nicht kusch? Warum kümmerte er sich um anderer Leute Angelegenheiten?“

„Er wollte den Tempel abbrechen . . .“